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Montag, 5. Dezember 2011

Selber kochen vs Gläschenkost

Noch eine der ganz großen Fragen, an der sich die Geister scheiden: bereite ich das Essen für den Nachwuchs nun selber zu oder lasse ich Herrn Hipp oder Tante Alete das erledigen?

Hier kommt also mal mein Für und Wider:

1. Vorteile der Gläschenkost

- Zeitersparnis (Deckel auf, wärmen, fertig - kein schmutziges Geschirr und man muss keinen Mixer auseinanderbauen und reinigen)

- die Konsistenz ist gleichbleibend, alles eine schön fein pürierte Paste (je nach Mixertyp bekommt man das selbst nicht so fein hin)

- praktisch für unterwegs (kann man zur Not auch noch unterwegs kaufen)

- sofort verfügbar, kein Auftauen o.ä.

- ist auf den "Massengeschmack" abgestimmt und schmeckt den meisten Babies

- für den Beikost-Start gibt es spezielle Gläschen mit kleinen Mengen (danach Gemüse und Kartoffeln, Extra-Gläschen mit nur Fleisch zum "Mixen und Kombinieren")

- laut Hersteller sind Obst und Gemüse frisch und das Gemüse wird vitaminschonend gegart - eventuell wie bei Tiefkühlware besser, als wenn das Gemüse schon lange Transportwege hinter sich hat und lange im Laden lag

- allergenarm; hier werden wenig Experimente gemacht (wer also vorsichtig sein will, kann relativ sicher sein, dass die Kinder hier keine allergenen Stoffe mitbekommen)

2. Nachteile der Gläschenkost:

- immer gleichbleibende Menge, egal wie viel oder wenig Hunger der Nachwuchs so hat

- alle Gläschen schmecken im Prinzip mehr oder weniger gleich (zumindest die, die wir hatten und von denen ich mal probiert habe)

- jede Menge Altglas, das man wegbringen oder wiederverwerten muss

- eingeschränktes Sortiment (inzwischen ist das Angebot schon recht vielfältig, aber viele Gemüsesorten gibt es einfach nicht als Gläschen)

- ich muss dem Wort des Herstellers vertrauen

- Gläschen sind teurer als eigene Zubereitung

- die Gummidichtungen der Deckel können u.U. krebserregende Weichmacher enthalten


3. Vorteile vom selbst Kochen

- man kann flexibel auf den Appetit des eigenen Kindes eingehen und größere oder kleinere Portionen abfüllen

- kocht man einmal eine große Portion und friert dann portionsweise ein, ist selbst kochen unschlagbar günstig, selbst wenn man nur Bio-Produkte verwendet

- größere Kontrolle über den Inhalt

- mehr Geschmacksvielfalt (Ich habe z.B. so ein Gemüse-Abo und bekomme alle zwei Wochen eine dicke Kiste Bio-Gemüse. Oft sind da Sachen bei, auf die wäre ich so im Laden gar nicht gekommen. Unser Kleiner kennt also nun auch den Geschmack von Mangold oder Sellerie-Kartoffelpürree)

- mit zunehmendem Alter kann man dann auch schon mal ganz leicht würzen, dann kann sich das Kind langsam an die Familienkost gewöhnen

- wenn man gerne kocht, macht es auch Spaß, neue Gerichte für die Kleinen zu kreieren und man freut sich natürlich sehr, wenn es ihnen schmeckt

4. Nachteile vom selbst Kochen

- wenn man nur einen normalen Stabmixer hat, kann es sein, dass man alles nicht ganz so fein püriert bekommt wie den industriell hergestellten Brei und die Kleinen anfangs Schwierigkeiten mit der Konsistenz haben (vom Einfrieren wird es dann oft auch noch mal ein bisschen grisselig)

- es ist relativ zeitaufwändig und lohnt sich daher nur dann so richtig, wenn man größere Portionen kocht und dann einfriert, dafür braucht man Platz und Behälter (wir hatten noch die großen Muttermilch-Becher von Avent, die sind dafür ganz praktisch); der Zeitaufwand lässt sich auch minimieren, wenn man von den eigenen Mahlzeiten Zutaten "abzwackt". Oft habe ich für uns Gemüse zubereitet und erst gewürzt, nachdem ich eine kleinere Portion für den Kleinen abgenommen habe. Das ging dann so: etwas Gemüse von unserem Essen entnehmen und pürieren; unser Essen nachwürzen, dann drei Avent-Becher füllen. Eins für sofortigen Verzehr, eins in den Kühlschrank für den nächsten Tag, eins in die Gefriertruhe

- man muss frische Zutaten kaufen

- man ist eventuell persönlich beleidigt, wenn der Nachwuchs die liebevoll zubereitete Kost in hohem Bogen ausspuckt ;)

- man braucht für eine wirklich vitaminschonende Zubereitung spezielles Zubehör wie z.B. einen Dampfgarer (unser Backofen hat eine Dampfgarfunktion, das ist für die Babynahrung echt super)

- man muss einen guten Mixer haben und diesen hinterher natürlich auch reinigen, was recht nervig sein kann

Alles in Allem finde ich persönlich für die Mittags-Mahlzeiten (Gemüse-Kohlenhydratbeilage oder Gemüse-KH-Fleisch) das selber Kochen viel besser. Hier kann ich immer mal wieder was Neues probieren und mein Kleiner lernt viele unterschiedliche Geschmacksrichtungen kennen. Ich habe neulich auch erst einen Artikel gelesen, dass vermutlich die bisherigen Annahmen in Sachen Allergie-Prävention so gar nicht richtig sind und ein früher Kontakt mit "kritischen" Lebensmitteln die Kinder eventuell sogar eher gegen Allergien schützt als eine Vermeidung. Das ist ein bisschen Glaubensfrage, denke ich. Ich fand's plausibel und bisher scheine ich Glück zu haben und der Kleine verträgt alles.

Für den Nachmittagsbrei (Getreide-Obst) greife ich für den Getreidebrei allerdings auf Fertigflocken zurück (ich nehme die von alnatura, da ist kaum Zucker drin, nur der aus dem Getreide) und püriere dann selber noch das Obst dazu (Banane, Birne, Apfel, was halt so da ist). Manchmal greife ich da aber auch auf Gläschen zurück (vor allem, um auch mal andere Obstsorten zu haben).

Abends sieht es ähnlich aus. Zuerst habe ich immer mit Milch und Grieß/Dinkel-Zwieback/Mehrkornflocken und ähnlichen Sachen operiert und alles selbst gekocht. Inzwischen nehm ich auch öfter die Flocken, die man nur mit heißem Wasser anrühren muss (meist auch die von alnatura oder babylove). Da bin ich dann doch bequem geworden.

Letzten Endes glaube ich, es ist Geschmacksfrage (im wahrsten Sinne des Wortes), ob man nun Gläschen kauft oder selber kocht. Ich glaube für die Gesundheit des Kindes macht es keinen entscheidenden Unterschied. Vielleicht kann man beim selber Kochen den Geschmack schon etwas in Richtung Familienkost hin beeinflussen, so dass der Übergang "sanfter" wird und die "mag ich nicht"-Kämpfe weniger heftig ausfallen, aber das ist für mich bisher nur Theorie und wird sich zeigen, wenn Mika älter ist. Wer nicht gerne kocht, sollte ruhig mit gutem Gewissen zu den Gläschen greifen und sich nicht einreden lassen, man sei eine Rabenmutter.

Zu guter Letzt noch zwei von Mikas Lieblings-Rezepten:

1. Gemüse-Couscous

Verschiedene Gemüse-Sorten (was der Kühlschrank so hergibt, z.B. Möhren, Paprika, Tomate, Kürbis...) in grobe Stücke schnippeln und in wenig Wasser zugedeckt dünsten (oder eben im Dampfgarer), nach dem Garen Flüssigkeit angießen, gleiche Menge Instant-Couscous dazugeben und 5 Minuten zugedeckt quellen lassen. Einen Stich Butter und etwas Rapsöl zugeben. Anschließend pürieren. Wenn es zu fest wird, einfach noch etwas Wasser zugeben. Ich mach es dann halt so, dass ich eine große Portion mache, ein bisschen abnheme, das püriere und anschließend Gewürze (Kurkuma, Salz, Kreuzkümmel, Paprika...) in Butter anschwitze und unter unsere Portion mische.

2. Vollkorn-Nudeln Bolognese

Tomaten häuten und Kerne entfernen. Das Fruchtfleisch würfeln. Eine Karotte fein würfeln und andünsten, Tomaten dazu, wenn die Karotte fast gar ist. Vollkornnudeln weich kochen, etwas Rinderhack braten. Alles zusammen in den Mixer geben und mit einem Schuss Rapsöl pürieren. Wenn es zu fest wird, einfach Wasser zugeben. Man kann auch noch mit Tomatenmark abschmecken.

Mengen-Angaben habe ich leider nicht, weil ich alles ziemlich Pi-Schnauze koche. Hin und wieder gebe ich inzwischen auch mal eine Spur Salz oder Kräuter hinzu, aber nur einen Hauch. Mehr brauchen und vertragen die Lütten noch nicht.