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Donnerstag, 29. August 2013

Abgeschoben...?!


In einer Diskussion um das Thema Frauen in Führungspositionen und Rollenbilder ging es darum, dass einer Umfrage zu Folge 60% der Deutschen über 30 das althergebrachte Rollenmodell präferieren: Mann geht arbeiten, Frau kümmert sich hauptsächlich um die Kinder. 

Im Laufe der Diskussion brachte auch jemand wieder das Argument: "Wenn ich Kinder in die Welt setze, schiebe ich sie nicht bei Zeiten wieder ab in Kinderkrippe oder Kindergarten." Durchaus akzeptiert wurde es, wenn es wirtschaftlich nicht anders möglich sei. Da kriege ich ja schon wieder die Krise.

Warum wird Müttern ein schlechtes Gewissen gemacht, wenn sie ihre Kinder in Betreuungseinrichtungen geben? Mal ehrlich, was soll ich meinem Sohn hier zu Hause denn Besseres bieten können als das, was er täglich in der KiTa bekommt? Er ist mit anderen Kindern zusammen, es gibt ein großes Außengelände, wo er die ganze Zeit toben und spielen kann, er hat Kontakt zu älteren wie auch zu jüngeren Kindern und zum Beispiel auch zu Kindern mit Behinderungen oder mit Migrationshintergrund. Er lernt, sich durchzusetzen, zu kooperieren, zu teilen, Rücksicht zu nehmen und wie man miteinander spielt statt jeder für sich. Er sieht, wie unterschiedlich Kinder und ihre Familien sind und dass das etwas ganz Selbstverständliches und eine Bereicherung ist. Was er hier an sozialen Fähigkeiten nebenbei erwirbt, kann er bei mir zu Hause doch gar nicht in der Form lernen. Hier würde er doch gar nicht über den Tellerrand schauen können. 

Warum sollte es für ein Kind besser sein, die ganze Zeit an Mamas Rockzipfel zu hängen? Dass ich ihn liebe und für ihn da bin, sieht mein Sohn auch so. Er freut sich, wenn ich ihn abhole und dann mit ihm spiele. Er freut sich, wenn ich am Wochenende Zeit für ihn habe, aber er freut sich auch immer wieder in die KiTa zu gehen. Klar, das funktioniert nur, wenn die KiTa gut ist und die Kinder auch wirklich im eigentlichen Sinne "betreut" werden, nicht bloß verwahrt. Das ist bei unserer KiTa aber der Fall und bei den meisten anderen, die ich mir angeschaut habe auch. Gerade deshalb darf an diesem Ende auch nicht gespart werden. 

Ich wage zu behaupten, dass Kinder oft in solchen Einrichtungen wesentlich besser aufgehoben sind, als bei Mama zu Hause. Und zwar nicht nur, weil sie nicht in jeder Familie gefördert und gefordert werden, sondern eben auch, weil die Familien heute klein sind und die Kinder so hauptsächlich mit Erwachsenen zusammen sind. Mein Großer ist immer so ausgeglichen, wenn er in die KiTa geht. Die drei Wochen in den Ferien, wo die KiTa geschlossen war, waren schon eine echte Herausforderung. Da waren wir alle nahe am "Lagerkoller". Er hat solchen Spaß daran, mit den anderen Kindern zu spielen und zu toben. Es ist etwas anderes, wenn er mit einer Horde Kinder durch die Gegend läuft oder mit mir. Er ist ganz anders ausgepowert. Er lernt ganz anders und es geht ihm richtig gut dabei. 

Auch wenn ich jetzt in Elternzeit bin und ihn eigentlich auch schon früher abholen könnte, bringe ich ihn ohne schlechtes Gewissen in die KiTa. So kann ich mich auch ausreichend um die Kleine kümmern, die wesentlich weniger fordernd ist und so oft weniger Aufmerksamkeit bekommt als ihr Bruder. Sie würde mit ihrem genügsamen Temperament immer etwas zu kurz kommen. Hinzu kommt, dass ich neben Haushalt, Kindern und Beruf auch noch Interessen habe, denen ich in dieser Zeit nachkommen kann. Man kommt sich wie der größte Egoist vor, wenn man so etwas äußert. Es herrscht immer noch das Bild der Mutter vor, die kein eigenes Leben mehr hat und sich für ihre Familie aufopfert und aufgibt. Wer das nicht möchte, ist gleich selbstsüchtig und "schiebt die Kinder ab". 

Ich freue mich über die Zeit, die ich jetzt habe, um zum Beispiel zu bloggen, um an meinen Büchern zu arbeiten, zu lernen und kreativ sein zu können. Ich bin auf diese Art glücklicher und ausgeglichener und kann so wahrscheinlich auch eine bessere Mutter sein. Ich habe nie auch nur ansatzweise ein schlechtes Gewissen gehabt, weil ich meinen Sohn wirklich optimal betreut weiß und er sehr gerne in die KiTa geht. 

Von "abschieben" kann da meiner Meinung nach keine Rede sein. Mein Sohn spürt, dass er mir sehr wichtig ist und dass ich für ihn da bin, auch ohne dass er rund um die Uhr mit mir zusammen ist.  

Donnerstag, 15. August 2013

Wie wird man zum Sportmuffel?



Wenn ich mir anschaue, wie mein 2-jähriger Sohn draußen mit seinem Bobbycar herumfetzt, rennt, klettert, springt, krabbelt, rollt...eigentlich nie mal still steht oder sitzt, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass aus dem fidelen Kerlchen mal ein Spormuffel werden könnte. 

Andererseits muss ich mich nur an meine eigene Kindheit zurückerinnern. Ich bin auch gerannt, gehüpft, geklettert, habe im Wald gespielt, ganz im Geist der 80er mit Disco-Rollern durch die Gegend gerollt, bin Fahrrad gefahren und meine Eltern haben uns in den Ferien zum Wandern im Sauerland mitgeschleppt. Trotzdem wurde über die Jahre aus mir ein Sportmuffel. 

Gut, Computer und Fernsehen schlagen Kinder in den Bann, aber wenn man ein bisschen konsequent ist und - wie unsere Eltern damals - die Kröppen irgendwann rausschmeißt, ("Geht mal wieder ein bisschen nach draußen, es ist so schönes Wetter!") müsste doch auch das zu meistern sein. Klar, drei reguläre Fernsehkanäle und ein C64 waren sicherlich auch noch nicht ganz so verlockend wie die heutigen Spielekonsolen, aber dafür gibt es heute auch Computerspiele, die sehr bewegungsintensiv sind und bei denen rumgehüpft, getanzt, geboxt usw. wird. Da sitzt man lange nicht mehr nur mit Controller oder Joystick auf der Couch. Das wird sich dann vermutlich ausgleichen, obwohl Bewegung in freier Wildbahn natürlich effektiver und gesunder ist. 

Wenn ich auf meine eigene Geschichte zurückblicke, muss ich sagen, dass mir Sport eigentlich konsequent in der Schule abgewöhnt wurde. Das war eine Veranstaltung, die speziell später in der Pubertät derart mit Ängsten und Scham besetzt war, dass ich mich oft gedrückt habe und geglaubt habe, ich wäre einfach vollkommen unsportlich. 

Eigentlich hat uns nie jemand wirklich angeleitet oder an Bewegung herangeführt. Man musste es können oder man ging unter. In der Pubertät kam dann noch hinzu, dass ich mich total für meinen Körper - vor allem den Busen, der beim Sport ja plötzlich jede Bewegung mitmachte - geschämt habe. Früher war man auch irgendwie noch verklemmter und mir hat nie jemand erklärt, dass das mit dem passenden Sport-BH alles auch kein Problem ist. 

Ich erinnere mich noch ans Laufen. Namentlich: Waldlauf. Das ging so. Eine Horde unwilliger Schüler wurde nach draußen in den Wald getrieben, die Sportlichen liefen vorweg, die anderen versuchten im selben Tempo mitzuhalten, was dazu führte, dass die Untrainierten dann irgendwann mit Seitenstechen, Schwindel und brennenden Lungen irgendwo auf der Strecke blieben und damit rangen, sich nicht ins Unterholz zu übergeben. Lerneffekt: Sport kann ich nicht, tut weh und macht keinen Spaß. Niemand hat was von optimalem Trainingspuls gesagt oder einem erklärt, wie man richtig läuft. Es gab kein alternierendes Gehen und Laufen. 

Fußball war auch so was. Es gab viele, die spielten im Verein oder freizeitmäßig und waren richtig gut und daran wurde alles ausgerichtet. Ich erinnere mich noch dran, wie man dann als Durchschnittsdepp ins Tor gestellt wurde (ohne so genau zu wissen, was man da eigentlich sollte) und für die Fußball-Cracks zum Abschuss freigegeben. Übrigens gibt es Gründe, warum Profi-Torwarte Handschuhe tragen. Wenn man also die Pille nicht gleich gegen den Kopf oder in die Magengrube bekommen hat und es einem tatsächlich gelang, sie abzuwehren, schmerzten hinterher ewig die Hände. 
Lerneffekt: Bälle tun weh, man sollte ihnen tunlichst ausweichen. 

Von Schwimmen in gemischtgeschlechtlichen Gruppen in der Pubertät muss ich wohl gar nicht erst anfangen. Da hatte ich zum Glück ein Dauerattest, weil ich insbesondere nach längerem Aufenthalt im Wasser zu Harnwegsinfekten neigte. Dabei war ich keine schlechte Schwimmerin und war auch eigentlich gerne im Wasser. Nur in der Schule war für mich Schwimmunterricht eine Horrorvorstellung. Du kommst gerade zwar überhaupt nicht mit deinem sich verändernden Körper klar, aber zieh dir doch bitte mal eine Wurstpelle an, mit der du nichts verstecken kannst und dann präsentiere dich den kritischen Blicken Gleichaltriger. Bei mir war es das Bäuchlein und er Busen, bei meiner Freundin Pickel auf dem Rücken. Schwimmen lernen ist wichtig, finde ich auch. Aber bitte Männlein und Weiblein getrennt. Nicht weil ich prüde bin, sondern weil es die Jugendlichen unter Stress setzt. Da ist das Schwimmen dann ohnehin zweitrangig. 

Kurzum, in der Schule ging es nicht darum, Spaß an der Bewegung zu erlernen oder langsam an gesunde Bewegung herangeführt zu werden. Es war: entweder kannst du es sowieso oder du machst dich zum Horst. 

Erst sehr viel später, da war ich fast 30 habe ich entdeckt, dass das verhasste Laufen (namentlich Waldlauf) genau meine Sportart ist. Ausdauer - kein Problem, wenn ich es in meinem Tempo tue und langsam anfange. Radfahren - nicht meins. Dafür war ich ganz gut in Badminton (bis ich mir leider dabei einen Bänderriss eingefangen habe). Schwimmen, sanftes Krafttraining, orientalischer Tanz. Irgendwann findet man mit Glück die Art von Bewegung, die einem Spaß macht und die man einigermaßen beherrscht. 

Aber die vielen Jahre davor war ich dermaßen abgeschreckt und demotiviert, was Sport anging. Ich hatte regelrecht Angst davor, wollte nicht in den Sprachurlaub nach England, weil solche Veranstaltungen meiner Erfahrung nach immer irgendwie mit sportlichen Wettkämpfen einhergingen. Dabei war ich eigentlich nie ein Bewegungsmuffel. 

Ich hoffe, der moderne Sportunterricht ist anders. Allerdings fürchte ich, dass er so leistungsorientiert ist wie eh und je. Ich habe auch nichts gegen "Leistungsorientierung", denn aus eigener Erfahrung weiß ich, dass leider ohne Notendruck nicht viel geht und die Schüler die Veranstaltung nicht ernst nehmen. Aber die Leistung sollte sich im Sport viel mehr am Leistungsvermögen des Einzelnen orientieren. Hat sich jemand angestrengt? Ist er besser geworden? Das sollte auch belohnt werden. Bei uns hätte man die Noten auch direkt am Schuljahresanfang vergeben können. 

Ich hoffe also inständig, dass meine Kinder anderen Sportunterricht erfahren und mehr angeregt und angeleitet werden. 

Dienstag, 13. August 2013

Ferien vorbei...hurrah!

Als Kind und als kinderlose Lehrerin habe ich mich immer wie eine Irre auf die Sommerferien gefreut. Jetzt freue ich mich auch noch auf die Sommerferien, aber Ferien bedeutet auch, dass für drei Wochen die KiTa geschlossen ist. 

Es waren zwar schöne, aber auch sehr anstrengende drei Wochen mit dem Sohnemann zuhause, dem man natürlich nicht das gleiche Niveau an "Bespaßung" bieten kann wie eine Gruppe anderer Kinder. Zum Glück wohnen hier in der Nachbarschaft eine Menge Kinder, so dass viel auf der Straße gespielt wurde. Mit Kreide Straßen und Geschäfte einzeichnen und ab geht es mit dem Bogadi (so heißt bei meinem 2jährigen Sohn neuerdings aus unerfindlichen Gründen das Bobbycar), dem Laufrad oder dem Dreirad. 
Mit Mama auf der Terrasse mit Wasserfarben und Fingerfarben malen war auch lustig. Planschen im Pool, Buddeln im Sandkasten und auf dem Buggy-Board mit der kleinen Schwester im Kinderwagen spazieren fahren (zum Beispiel in den Zoo). 

Die Zeit ging also rum und ich glaube, der Junior hat sich nicht gelangweilt. Und was war, als er den ersten Tag wieder in die KiTa gegangen ist? Mama, die sich so auf diesen Tag gefreut hatte, musste natürlich erst einmal heulen, als der Kleine vormittags nicht da war. So kann's gehen. 

Zum Thema "Eltern die sich über das Ferienende sichtlich mehr freuen als ihr Nachwuchs" hier noch eine nette Staples-Werbung mit Alice Cooper: 



Sonntag, 16. Juni 2013

Kleinkindkompatibles Essen: Hirsepilaw mit Rosinen und Mandeln




Ich bin ja immer auf der Suche nach kleinkindkompatiblem Essen, das auch uns schmeckt und im besten Fall auch noch gesund ist. Heute gab es Hirsepilaw mit Rosinen und Mandeln und dazu einen schönen bunten Salat mit Gurke, Paprika und Tomate und einem Joghurt-Dressing. 
Wenn man ein anderes Dressing macht und dem Pilaw keine Butter zugibt, ist es sogar vegan. 

300g Hirse
1 Zwiebel
etwas Öl
1 frische Knoblauchzehe
2 Möhren
750ml Wasser
eine Handvoll Rosinen
gehackte Mandeln
Butter
Salz
Pfeffer
etwas frisch geriebener Ingwer (zur Not auch Pulver)
1 kleine Zimtstange (oder eine Msp. Zimtpulver)

- Möhren schälen und ganz fein würfeln
- Zwiebel ebenfalls in feine Würfel schneiden
- Hirse in einem Topf trocken bei mittlerer Hitze ein paar Minuten anrösten, bis sie 
  duftet, dann noch einmal aus dem Topf nehmen (z.B. in einen Teller oder eine Schüssel 
  umfüllen)
- Zwiebeln in etwas Öl anschwitzen, Knoblauch, Ingwer und Möhren zugeben und noch    
  einmal etwas mit anschwitzen
- Hirse zugeben und mit Wasser aufgießen
- nach Geschmack salzen und pfeffern und die Zimtstange zugeben
- aufkochen lassen, dann Hitze reduzieren und Deckel auf den Topf
- zugedeckt bei geringer Hitze 15-20 Minuten ziehen lassen
- wenn man Rosinen zugeben möchte ca. 5 Minuten vor Ende der Garzeit unterrühren
- Mandeln (je nach Zahnstand des Kindes) zugeben, kann man aber auch weglassen
- für den Geschmack noch einen Stich Butter dran (kann man aber auch gut weglassen)

Auch der Ingwer ist natürlich Geschmackssache. Mika ist dran gewöhnt und mag ihn.

Für den bunten Salat einfach Gurke entkernen und in Würfel schneiden, Paprika erst in Streifen, dann in Würfel schneiden, Tomatenfruchtfleisch ebenfalls würfeln. 
Für das Joghurt-Dressing habe ich Pi mal Daumen gearbeitet und etwas Zitronensaft, Joghurt, Salz, einen Teelöffel Senf und Gartenkräuter (TK) mit einem Teelöffel kaltgepresstem Olivenöl und ein bisschen Agavendicksaft (alternativ Zucker oder Honig) in einen Becher gegeben und geschüttelt. 

War lecker und schmeckte auch dem Junior sehr gut.

Montag, 10. Juni 2013

Girls vs Boys - die Erste



Wie oft habe ich gehört, dass Jungs so viel pflegeleichter sind als Mädchen. Für mich als Feministin ist das allerdings ein Ergebnis unterschiedlicher Geschlechterwahrnehmung: ein Junge ist "vorlaut", ein Mädchen gleich "zickig". Ich denke, von Mädchen wird auch eher erwartet, dass sie sich regelkonform und angepasst verhalten, daher fällt jedes über die Stränge Schlagen bei Mädchen mehr auf und wird anders bewertet als bei Jungs. Bei denen gehört ein bisschen Rowdytum einfach dazu. Es gibt auch kein weibliches Äquivalent zum wohlwollenden Begriff "Lausbub" (wenn man mal Herrn Kachelmanns "Lausemädchen" nicht dazu zählt). 

Jetzt habe ich ja quasi den Selbstversuch gestartet. Das erste Kind ist ein Junge. Und von "unkompliziert" kann man da nun wirklich nicht sprechen. Als Baby hatte er mit Reflux zu kämpfen und war ein Schreikind und am Schreien hat sich bis heute noch nicht so viel geändert. Er ist schon über 2 Jahre alt. Immer wenn ihm etwas nicht passt, wird geweint und gebrüllt. Am liebsten "Papa, aua!!!". Klar, das machen alle Zweijährigen irgendwann, aber unser Sohn schreit und weint eben besonders häufig. Gerne auch ohne ersichtlichen Grund. Heute Morgen:
*heulend* "Mama, Apfelschooorleeee!". 
Ich sage: "Hol mal einen Becher aus dem Schrank, ich mach dir eine Apfelschorle.
"Mama Apfelschooorleeeeeee!" *heul* *stampf*
(Für "Wie heißt das richtig?" war es mir heute Morgen noch zu früh.)
Er bekommt den Becher. *heulend* "Neeeeeiiiin!"
Irgendwann hat er ihn dann doch genommen und genüsslich getrunken und alles war wieder gut. 
Gut, zu seiner Verteidigung muss ich sagen, er war müde und ist leicht erkältet, also nicht so super drauf. 

Baby Nummer 2 ist bisher sehr ruhig, schreit wenig, hat aber auch nicht mit diesem fiesen Reflux zu tun. Jedenfalls ist sie im Vergleich um Längen pflegeleichter. Punkt eins für die ersten Monate geht auf jeden Fall schon mal an das Team "Girl". Wir werden es weiter beobachten. :-)


Mittwoch, 5. Juni 2013

Und täglich grüßt der Betonmischer...



Vor einer Weile habe ich damit begonnen, meinem Sohn, der sich zur Zeit mit dem Einschlafen echt schwer tut, kleine "Geschichten" zu erzählen. Die eine ging so: der kleine Junge möchte nicht schlafen und lieber mit seinem Bagger spielen. Mama erklärt aber, wie wichtig schlafen ist und hat eine Idee. Der Junge soll beim Einschlafen ganz fest an seinen Bagger denken und schon träumt er die schönsten Baggerträume. Eine andere beinhaltet die Sandkastenfee, die immer mit einem "Poff!" erscheint und im Sandkasten ausgesprochene Wünsche erfüllt. Meist geht es darum erwachsen zu sein und etwas Tolles zu dürfen (Auto fahren zum Beispiel mit Mama in der Babyschale und Papa im Kindersitz). 

Und einmal verwandelte die Sandkastenfee meinen Lütten und seinen Freund in Bauarbeiter, die den großen Betonmischer fahren dürfen. Ende vom Lied ist immer, dass sie nach einer Weile erwachsen sein doof finden, weil man arbeiten muss und es kein Eis gibt und so und sie werden zurückverwandelt. Seither höre ich jeden Abend: "Mama zählen! Betonmischer!!". Tja, da muss ich wohl jetzt durch. Kinder lieben eben Wiederholungen. Poff!

Montag, 3. Juni 2013

Über Verwirrung mit der Saugverwirrung und schlechtes Gewissen bei Müttern


Meine Mutter nannte den Lehrerjob ja immer "Den Beruf des ständigen schlechten Gewissens" und tatsächlich werden auch bei mir viele Freizeitaktivitäten vom großen "Eigentlich müsste ich ja..." und dem Gedanken an Korrekturenstapel überschattet. Und ständig hat man das Gefühl, der eigene Unterricht müsste dringend moderner, kreativer und interessanter sein und man könnte immer noch besser vorbereitet sein. 

Im Beruf ist es mir inzwischen einigermaßen gelungen, die Gewissensbisse in Schach zu halten. Der Anstoß zum schlechten Gewissen kommt erstaunlicherweise meist aus den eigenen Reihen, von Kollegen. Den Hilbert Meyers, Heinz Klipperts und Norm Greens unter uns, begnadeten Pädagogen, deren Unterricht anscheinend so gut ankam, dass man daraus gleich ganze pädagogische Konzepte stricken konnte. Ich hatte das Glück, drei Fortbildungen bei Norm und Cathy Green machen zu dürfen und muss sagen: Wow! Ich war total geflasht und beeindruckt und gleich war das schlechte Gewissen wieder da. Doch ich muss mir immer wieder sagen, dass wir eben alle verschieden sind. Nicht jeder ist der "geborene Lehrer" und versprüht so viel Charisma und Enthusiasmus wie Norm und Cathy. Daran wird auch der Einsatz ihrer Methoden nichts ändern. Was bei ihnen funktioniert und Begeisterungsstürme hervorruft, muss nicht unbedingt bei jedem in der Form funktionieren. 

Wenn ich mich an meine eigene Schulzeit erinnere, gab es Lehrer, die haben mich mehr mitgerissen als andere, aber die Vielfalt hatte auch etwas für sich. Nur Stimmungskanonen hält doch auch niemand einen ganzen Schultag lang aus. Wichtig war mir, dass die Lehrer freundlich, unterstützend, fair und ehrlich waren. An den Kriterien gemessen finde ich mich dann gar nicht mal so schlecht. Immerhin gebe ich mir Mühe. 

Ähnliches gilt aber auch für Mütter. Denen wird permanent ein schlechtes Gewissen gemacht. Und von wem? Richtig, meistens von anderen Müttern. Meine Lütte ist jetzt acht Wochen alt und hat bisher nur die Brust bekommen. Einmal habe ich versucht, ihr etwas Tee aus der Flasche zu verabreichen, weil sie für mein Gefühl am Anfang ein bisschen zu oft trinken wollte. Die Flasche wollte sie aber nicht und inzwischen hat sich das Trinken auch auf ein verträgliches Maß reduziert (mir tat nämlich schon ziemlich die Brust weh). Jetzt überlege ich allmählich, ob ich nicht auch mal ein bisschen abpumpen und einfrieren soll, für den Fall, dass man mal länger als zwei Stunden aus dem Haus möchte oder muss. Ich wollte nachlesen, wann denn ein günstiger Zeitpunkt zum Abpumpen ist: vor dem Stillen? nach dem Stillen? zwischen zwei Stillmahlzeiten? Doch da lese ich dann in Foren wieder: "Um Gottes Willen! Tu deinem Kind das nicht an! Das ist der erste Schritt zum Abstillen...die SAUGVERWIRRUNG!!!". Ehrlich gesagt kenne ich unter all den Müttern in meinem Freundes- Verwandten- und Bekanntenkreis keine einzige, deren Kind abgestillt werden musste, weil es nach dem Nuckeln am Schnuller oder am Fläschchen die Brust nicht mehr wollte. Handelt es sich vielleicht bei der Saugverwirrung um einen Mythos? 

Der Große hat damals auch einen Schnuller bekommen (gleich im Krankenhaus), obwohl ich mir eigentlich vorgenommen hatte, dass meine Kinder schnullerlos groß werden (da hat man noch Illusionen!). Als das Stillen bei uns problematisch wurde, hat er auch schon mal ein Fläschchen Pre-Nahrung bekommen und abgepumpte Milch. Er hat trotzdem anstandslos an der Brust getrunken, bis er mit zehn Monaten eine dicke Erkältung hatte und durch die verstopfte Nase bei der Morgenmahlzeit dann nicht mehr saugen mochte. Dann gab es noch ein paar Wochen lang Folgemilch am Morgen, aber die wollte er auch recht schnell nicht mehr und es gab nur noch Brei und Co. 

Die Kleine nimmt bisher keinen Schnuller. Nur hin und wieder mal, wenn sie sich gar nicht beruhigen wollte, konnte ich sie überreden zu nuckeln. (Reiner Selbstschutz, denn sonst würde sie meine Brust als Beruhigungssauger benutzen). Ja, ich bin so egoistisch, dass ich ganz gerne ohne schmerzende Brustwarzen und Entzündungen durch die Stillzeit käme. Da kann mich die Stillmafia gerne steinigen. Ich glaube nicht an die Saugverwirrung und finde mich auch bestätigt (guckst du hier). 

Beim zweiten Kind gelingt es mir jetzt auch etwas besser, selbstbewusst zu sein und das schlechte Gewissen abzuwehren. Sicher mache ich nicht alles perfekt, aber ich denke, mein Kind spürt, dass es mir wichtig ist und dass ich es liebe. Ich gebe ihm Nahrung, Wärme, Geborgenheit und versuche für meine Kinder immer berechenbar zu bleiben. So schlecht schlage ich mich da wohl nicht und ich möchte mich auch nicht von den vielen - sich auch noch teilweise widersprechenden - Glaubenssätzen verwirren und verunsichern lassen. Meistens entscheide ich nach Bauchgefühl. Anregungen und Tipps hole ich mir, aber nicht alles kann ich ernst nehmen. Ähnlich wie beim Unterrichten picke ich mir das raus, was mir sinnvoll erscheint und was für mich funktioniert. So werde ich bestimmt nie Super-Mum und nie ein zweiter Norm Green, aber wer ist schon perfekt? Es gibt sicher immer mal wieder jemanden, der aus der Masse heraussticht, aber wir können ja nicht alle Genies sein. 

Also wurschtel ich mich halt so durch - ohne schlechtes Gewissen und Saugverwirrung!

Montag, 15. April 2013

Die Nummer zwei ist da!!

Lange hat sie auf sich warten lassen. Zehn Tage über Termin wurde zunächst versucht einzuleiten und als sich dann nichts tat, wurde sie schließlich per Kaiserschnitt auf die Welt befördert. Mit 54cm und 3970g auch schon eine kräftige junge Dame. Und ganz zuckersüß. Ich bin jedenfalls happy, auch wenn jetzt erst einmal wieder schlaflose Nächte anstehen. :-)

Donnerstag, 28. März 2013

Ich glotz' TV...ab wann?



Bevor die Kinder auf der Welt sind, hat man ja immer sehr genaue Vorstellungen, was man als Eltern so erziehungstechnisch umsetzen möchte und was nicht. Bei mir bedeutete das unter anderem: kein Fernsehen vor 3 Jahren. Das hatte ich mir fest vorgenommen. Das liest man dann auch immer mal wieder in schlauen Büchern (siehe auch hier!)

Die Realität sah dann anders aus. Als mein Sohn mit ca. 1 1/2 fiebrig, verschnupft und traurig auf meinem Arm hing, habe ich ihm dann auf YouTube das "Quietscheentchen"-Lied von Ernie vorgespielt. Er fand es toll. Und es ist ja erstaunlich, wie schnell Kinder lernen. Schnell hatte er raus, dass man mit Mamas Laptop noch andere Dinge tun kann als arbeiten. Einmal habe ich ihm einen kurzen Clip von einem Baby vorgespielt, das mit einem zuckersüßen Gesichtsausdruck jede Frage seiner Eltern mit einem vehementen "No!", "No, no!" oder sogar "No, no, no!" beantwortete. 
Er fand es so witzig, dass er es immer nachgemacht hat und immer, wenn er mich dann am Rechner gesehen hat, kam er an und fragte: "Mama, no no?". Natürlich habe ich nicht immer nachgegeben, aber seither durfte er immer mal wieder kleine Clips auf YouTube anschauen. Ein Dauerbrenner ist dabei "Manah Manah" in der Version von den Muppets. 

Da nun das Kind ohnehin in den medialen Brunnen gefallen war, haben wir dann begonnen auch schon mal Ausschnitte aus den "Zoogeschichten" mit ihm im Fernsehen anzuschauen und inzwischen, kurz vor seinem zweiten Geburtstag, schauen wir alle drei jeden Abend vor dem Zubettgehen 10 Minuten Sandmännchen (Sandmänne!). Er findet es ganz großartig und kommentiert alles lebhaft. Als Anmoderation beim Sandmännchen gibt es auf KiKa das "Baumhaus" und dort schauen die Moderatoren durch ein Fernrohr und die Sterne bringen selbstgemalte Bilder der Kinder. Unser Kleiner freut sich schon immer total darauf. "Bilder!" Und dann rät er, was auf den Bildern zu sehen ist. "Wolke malt!" oder "Neemann!" oder was auch immer gerade zu sehen ist. Oft erkennt er es erstaunlich gut, wo wir als Erwachsene Mühe haben. 

Ich bin dann immer hin und hergerissen. Einerseits frage ich mich, ob es nicht doch ein bisschen zu früh ist, um ihn ans Fernsehen zu gewöhnen, andererseits sitzt er nicht nur passiv gebannt vor dem Bildschirm, er kommentiert und spricht mit uns über das, was er sieht. Einmal habe ich mit ihm einen Ausschnitt aus den "Zoogeschichten" geschaut und es wurde gerade ein Fischbecken gereinigt und die Bewohner in großen Tanks ausgelagert. Dann sollten die Fische mit einem Kescher wieder eingefangen und in das gesäuberte Becken zurück transportiert werden. Mein Sohnemann saß auf meinem einen Bein, die Katze hockte auf dem anderen und wurde von uns beiden gekrault. Ich erklärte ihm, was es zu sehen gab und er wollte es mir natürlich gleich tun und auch einen "Kleinen" haben, dem er etwas erklären muss. Er drehte sich zur Katze, stupste sie an und sagte: "Fisse, Miau...guck!". Das war richtig süß. 

Ich versuche, die Fernseh- bzw. YouTube-Dosis sehr gering zu halten und ich achte darauf, dass er natürlich nicht alleine vor dem Gerät sitzt und ich lasse auch nicht einfach den Fernseher laufen oder schaue mir selber Sendungen an, während er im Raum spielt. Ich hätte dabei Bedenken, dass er dabei unbewusst Bilder aufnimmt, die er noch nicht verarbeiten kann (z.B. aus den Nachrichten oder Ähnlichem). Es ist immer jemand dabei und wir sprechen über das, was es zu sehen gibt. Er hat großen Spaß daran und inzwischen hat er auch gelernt, dass man irgendwann aus macht. Es gibt kein großes Gezeter mehr, wie am Anfang. Manchmal sagt er sogar selber nach dem Sandmännchen. "Aus! Badewanne!". Es ist für ihn einfach Teil des Abendrituals geworden. Trotzdem frage ich mich manchmal, ob ich zu früh angefangen habe.

Ein weiteres Problem stellten schnell unsere Smartphones und Papas iPad dar. Als einmal die Krabbelgruppe bei uns war, schauten wir gerade ein Bilderbuch an und fragten uns, was für ein Geräusch eigentlich eine Giraffe macht. Meine Nachbarin und ich waren uns einig, sie macht gar keins, aber eine andere Mama wusste es besser. Sie hatte fürs Smartphone eine App mit ganz vielen Tieren, bei der man sich anhören konnte, welche Geräusche sie machen. Man kann die Tiere anklicken und hat jeweils Männchen, Weibchen und Junges zur Auswahl und noch einen Button, wo dann Bilder von dem Tier angezeigt werden und dazu ein passendes Musikstück läuft. Ich fand das eigentlich ganz süß gemacht und habe es mir auch direkt heruntergeladen. Man glaubt gar nicht, wie schnell mein Lütter es raus hatte mit dem Fingerchen auf dem Touchscreen herumzufahren, das gesperrte Handy zu entriegeln (!), indem er den Pfeil über den Bildschirm zog. Ich musste mir extra eine PIN-Sperre einrichten, damit er nicht ständig selber an das Handy geht. Einerseits ein Zeichen für die Benutzerfreundlichkeit der Bedienoberflächen, andererseits auch ein Zeichen, wie schnell Kinder lernen. Auch Papa hatte ein paar kindertaugliche Apps auf sein iPad geladen. Da gibt es zum Beispiel einfache Puzzle, bei denen man die Teile mit dem Finger auf dem Bildschirm bewegen und an die richtige Stelle ziehen kann. Hat man das Tier zusammengepuzzelt, macht es das entsprechende Geräusch. Unser Kleiner hat am allerliebsten die Biene und die Ziege und er ist schon richtig gut geworden. Und obwohl er wirklich konzentriert zur Sache geht und es eigentlich ja auch nicht viel anders ist, als wenn er ein "analoges" Puzzle zusammensetzen würde (mal vom haptischen Erlebnis abgesehen), habe ich wieder Bedenken und ein schlechtes Gewissen. 

Andererseits sind Computer, Handy und Co aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken und mit einer schreibenden Lehrerin und einem IT-Fritzen als Eltern sieht man ja auch ständig die Erwachsenen mit dem Rechner hantieren. Wir leben da ja nicht gerade Technik-Abstinenz vor. Die Frage ist also: schadet es den lieben Kleinen oder kann das Heranführen an diese Medien vielleicht sogar nützen? 

Was ich auf keinen Fall fördern möchte ist eine passive Konsumhaltung und ich möchte ein Gespür für ein gesundes Maß vermitteln, was sicher noch eine Herausforderung wird, sobald der Junior die Fernbedienung erobert und man sie nicht mehr so leicht außer Reichweite befördern kann.

Bei der kleinen Schwester, die in ein paar Tagen zur Welt kommen wird, werden wir es sowieso nicht mehr so gut verhindern können, dass sie früher an die Medien herangeführt wird. Das wird genauso sein wie mit den Süßigkeiten. Was der Große darf, bekommt sie ja dann auch mit. Vielleicht sollte ich mich einfach ein bisschen entkrampfen und mein schlechtes Gewissen abstellen? Immerhin lade ich den Kleinen nicht einfach vor der Glotze ab, um meine Ruhe zu haben, spiele vor ihm irgendwelche brutalen Ballerspiele oder schaue mir Filme mit Gewaltdarstellungen an, während er im Raum ist. Und solange das Sandmännchen den Traumsand noch nicht mit dem Raketenwerfer verteilt ist ja vielleicht noch alles in einem pädagogisch verträglichen Rahmen. 

Wie haltet ihr es mit den lieben Medien?

Mittwoch, 20. März 2013

Unsere liebsten Bilderbücher: der Tutti-Mutti Buchtipp

Unser Sohn ist fast zwei Jahre alt, war aber seit er motorisch dazu in der Lage war schon immer ein begeisterter "Leser". Zunächst war allein das Umblättern wohl der Reiz, dann hat er aber auch immer konzentrierter die Bilder studiert und kann immer wieder etwas Neues entdecken. Er beschäftigt sich gerne und lange mit Bilderbüchern. Zunehmend auch alleine, aber meistens kommt er damit zu Mama oder Papa mit der Aufforderung "Buch schaue!" oder "Angucke!". 

So ist inzwischen schon eine ziemliche Bibliothek entstanden, aber natürlich sind einige Bücher schon wesentlich stärker "abgeliebt" als andere und werden viel häufiger aus dem Regal gezogen. Das brachte mich auf die Idee, hier mal unseren "Buchtipp" zum besten zu geben. 

1. Christiane Hansen, Sandra Grimm: Bist du meine Mama? 



Das kleine Küken sucht seine Mama und es begegnet auf der Suche allerlei Tieren auf dem Hof, die sich hinter Klappen verbergen, die auch schon die ganz Kleinen gut selber öffnen können. Immer wieder stellt es die Frage: "Bist du meine Mama?". Die Tiere antworten: "Nein, ich bin der/die ..." und machen dazu das entsprechende Geräusch. Dann folgen sie dem Küken, um ihm beim Suchen zu helfen und dazu gibt es eine gereimte Geschichte, in der die jeweiligen Tierlaute wie beim "Kofferpacken"-Spiel immer wiederholt werden. Schon als mein Sohn noch ziemlich klein war, konnte ich das Buch meistens richtig vorlesen, ohne dass er ungeduldig weiterblättern wollte. Die Wiederholungen und die immer wiederkehrende Struktur (Begegnung mit einem Tier, Reim, dann nächste Begegnung) machen es Kindern leicht zu folgen. 
Schließlich findet das Küken natürlich irgendwann auch seine Mama und alle freuen sich mit ihm. 
Unser Buch sieht schon ganz ramponiert aus, weil der Sohnemann es wirklich heiß und innig liebt. Und auch ich finde es liebevoll gemacht. Es gibt auf den Seiten genug zu entdecken, ohne dass sie überladen wären oder die Hintergrunddetails vom Wesentlichen ablenken. Mittlerweile macht es meinem Sohn Spaß, auch die Kleinigkeiten im Hintergrund zu entdecken. 

2. Hartmut Bieber: Guck mal, hier wohnt Bodo Bär!


Bücher mit Klappen haben es unserem Sohnemann ja angetan und auch hier bei Bodo Bär kann man schauen, was sich in Schränken oder unterm Sofakissen verbirgt. In diesem Buch sind die Klappen allerdings kleiner und schon teilweise recht schwer zu öffnen. Ich musste häufig nachhelfen, indem ich die Seite ein bisschen "biege" und die Klappe von selber etwas aufspringt, so dass der Kleine mit dem Fingerchen dahinter kam. 
Hier werden wir auf der Suche nach der kleinen gelben Ente Raum für Raum durch Bodo Bärs Heim geführt und auf jeder Seite gibt es viel zu entdecken. Auf der linken Seite sieht man Gegenstände, die man auf dem großen Bild rechts dann suchen kann. Im Prinzip ist es also eine Art Wimmelbilderbuch, aber nicht zu überladen und unübersichtlich. Es gibt einige Motive, die auf jeder Seite zu finden sind, wie zum Beispiel die kleine gelbe Ente, die sich überall versteckt oder die Mäuse, die zum Beispiel ihre eigene kleine Badewanne haben oder auch mal mit dem Motorroller durch die Küche fahren. 
Von Bodo Bär gibt es noch mehr Bilderbücher, die auch sehr schön gemacht sind, unter anderem gibt es auch Bodo Bär im Weihnachtshaus, aber dieses hier ist immer noch der Liebling. 

3. Sybille Brauer: Bilder suchen - Wörter finden


Ein sehr schön gemachtes Wimmelbilderbuch für die Kleineren. Es gibt viel zu sehen, aber die Seiten sind nicht zu unruhig oder zu unübersichtlich. Am Rand sind jeweils Gegenstände abgebildet und bezeichnet, die man auf dem großen Bild in der Mitte finden kann. 
Dabei führt das Buch durch verschiedene Themenwelten aus dem Alltag wie das Kinderzimmer, das Bad, den Garten, die Küche, den Keller, den Spielplatz, die Stadt, den Strand, den Supermarkt und den Bauernhof. 
Unser Sohn hat hier sehr schnell ganz viele Begriffe gelernt und schaut sich das Buch immer wieder gerne an. Überall finden sich nette kleine Szenen, die man kommentieren kann und der Kleine entdeckt auch immer wieder Neues und freut sich auch immer wieder über dieselben Kleinigkeiten. 

4. Monika Neubacher-Fesser, Daniela Prusse: Was machen die großen Fahrzeuge? 

Seit bei uns vor dem Haus die Straße gemacht wurde und täglich große Bagger und Baumaschinen unterwegs waren, hat alles was fährt und Krach macht eine große Anziehungskraft auf unseren Kleinen. "Bagger" war eines seiner ersten Wörter. Hier gibt es Traktoren, Feuerwehrautos, Bagger, Polizeiautos und die Müllabfuhr zu entdecken. Letztere hat es unserem Sohn zur Zeit besonders angetan. 
Die Fahrzeuge sind jeweils zweimal in unterschiedlichen Szenarien abgebildet, das funktioniert mit einem Loch im Buch. Oben gibt es ein Register, so dass die Kleinen direkt zu ihrem Lieblingsfahrzeug springen können. 
Aber auch neben den Fahrzeugen gibt es viel zu entdecken. Tiere auf dem Bauernhof, Menschen in der Stadt, kleine Szenen und Geschichten rund um die Fahrzeuge. Die Seiten sind sehr dick und stabil, was mir auch sehr gut gefällt, sonst wäre das Buch bestimmt auch schon viel zerfledderter, so oft, wie es aus dem Regal geholt wird. 

Ich hoffe, ich konnte ein paar Anregungen geben und euch gefallen die Bücher auch so gut. Wenn ihr selber noch Buchtipps habt, bitte gerne in den Kommentaren oder per E-Mail. :-)



Donnerstag, 28. Februar 2013

Gefahr aus der Glotze - Mieses Selbstwertgefühl und Essstörungen vorprogrammiert?



Wenn ich so durchs Fernsehprogramm zappe, sehe ich immer wieder so vieles, was ich als äußerst bedenklich einstufen würde. Schlimm genug finde ich die Vorstellung, meinen Kindern die Nachrichten erklären zu müssen, zu erklären, warum die Welt so ist, wie sie ist, warum es solche Dinge gibt wie Gewalt und Krieg, warum Menschen sich wegen ungleicher Ideologien, Gottesbilder oder aus wirtschaftlichen Gründen gegenseitig verfolgen, foltern und töten. Das ist für mich eine echte Herausforderung, aber meine Kinder sollen ja auch nicht als weltfremde behütete Schäfchen aufwachsen, die keine Ahnung haben, was in der Welt vorgeht. Und es ist auch keine Lösung zu sagen, dass das alles ja weit weg passiert und es hier bei uns so etwas nicht gibt. 

Wir erheben uns ja gerne über Wertvorstellungen und moralische Standards anderer Kulturen, weil wir ja so modern und aufgeklärt sind. Aber mal ehrlich, wenn ich mir anschaue, was bei uns teilweise im Fernsehen für ein Menschen- und vor allem auch Frauenbild vermittelt wird, finde ich das auch nicht viel freiheitlicher und emanzipierter, als Frauen nur im Duschvorhang mit Tüllgardine auf die Straße zu lassen und ihnen den Zugang zu Bildung zu versperren. Was man da so täglich im Fernsehen vorgesetzt bekommt grenzt auch an quasi-religiöse Gehirnwäsche. 

Und wenn ich dann bedenke, was für einen großen Einfluss Fernsehformate wie zum Beispiel "Germany's Next Topmodel" auf Jugendliche in einem bestimmten Alter haben (das betrifft im Übrigen auch die Jungs, schließlich wird hier auch ihre Erwartungshaltung den Mädchen gegenüber geprägt) - dann graut mir. Da ist zum einen natürlich das ungesunde Körperbild, was da vermittelt wird. Die Gewinnerin von America's Next Topmodel 2010 wog mit fast 1,90m gerade mal 45 Kilo, was bedeutet, dass ihr BMI bei 12,7 lag...da kann man schon nicht mal mehr von Untergewicht sprechen (s. Bild). Aber schlimmer noch finde ich, dass Mädchen da vermittelt wird, dass Aussehen und die Außenwirkung das Allerwichtigste im Leben sind. Dass man sich dafür verbiegen und verdrehen muss, Strapazen auf sich nehmen, bei MInusgraden stundenlang im Bikini irgendwo rumhopsen, sich die Füße und Hüftgelenke ruinieren, weil man auf viel zu hohen High Heels herumstakst...eben alles tun, um zu gefallen - vor allem natürlich den Männern.  
Hier wird vermittelt, dass ich auf Gedeih und Verderb dem überkritischen Urteil anderer Leute ausgeliefert bin und dass ich mich dem auch zu fügen habe, denn sonst bin ich nicht kritikfähig. Dass es dabei nicht um Verhaltensweisen, sondern in erster Linie um Äußerlichkeiten geht und dass die Kritik immer vernichtend und verletzend, selten konstruktiv ist, das lassen wir mal unter den Tisch fallen. Das trifft auch auf andere Casting-Formate zu wie DSDS und Co. 
Ich muss jederzeit "Leistung" abrufen - und wenn die Leistung nur darin besteht, möglichst gekonnt auf halsbrecherisch hohen Schuhen einher zu stolzieren und möglichst dünn zu sein - und wer das nicht kann, hat es nicht besser verdient, als zum Gespött zu werden.

Mal ganz abgesehen davon, dass die Formate natürlich auch gescriptet sind und den Mädchen durch gezielte Selektion von dem, was gezeigt wird und wie berichtet wird, bestimmte "Rollen" zugeschustert werden: die Zicke, die Nette, die Hinterhältige, die Unsichere...und die Teilnehmer immer schön aufeinander gehetzt werden. Nicht alles, was wir zu sehen bekommen ist auch real - aber es wird als real dargestellt und von der Zielgruppe auch so empfunden.

Schlimmer ist das dann noch bei Formaten wie dem "Bachelor". Da stellt sich so ein selbstgefälliger Gockel hin und ein Haufen silikonverstärkter Püppchen versucht alles, um von ihm auserwählt zu werden. Bitte, was ist denn das für ein Bild, das da vermittelt wird? Zum einen: warum ist der Typ bitte so toll, dass alle um ihn Schlammcatchen wollen und ihnen nichts zu peinlich ist? Aha, er sieht gut aus und ist reich. Hm...ja nee klar. Top-Prioritäten bei der Partnerwahl, sicher. Zum anderen: wo leben wir denn? Die Dame ist Deko-Objekt und wird wie auf einer Viehauktion begutachtet und "eingekauft"? Und was hat das Ganze dann noch mit Liebe, Vertrauen, Zuneigung und Respekt voreinander zu tun? Ach so nee, stimmt ja. Ich vergaß, eine Beziehung funktioniert ja so: Geld und Macht gegen Unterwürfigkeit und gutes Aussehen...hey, erinnert mich irgendwie an Shades of Grey. Da haben wir doch auch die Konstellation reicher Supertyp und welterfahrener Tausendsassa und unterwürfiges hechelndes Naivchen, das vor lauter Bewunderung Schnappatmung bekommt, sobald der Typ auf den Plan tritt. Funktioniert ja auch in der internationalen Politik. Da kann man auch ein altes faltiges Sackgesicht sein, junge Hüpfer fürs Bunga Bunga finden sich immer noch en masse und es stört sich niemand so richtig dran. Ein bisschen Auszeit und dann kann man sich schon mal wiederwählen lassen. Was für ein Bild vom Verhältnis zwischen Mann und Frau wird denn da gezeichnet und allgemein akzeptiert? Mal ganz davon ab, dass der "Bachelor" in Wahrheit wahrscheinlich Soziologie-Student ist und es nicht wirklich darum geht, eine Frau fürs Leben zu finden, denn die meisten der Kandidatinnen sind ohnehin in festen Händen. Suggeriert wird aber: so funktioniert Partnersuche. Der Mann ist der Macker, die Frau wird "erwählt" und hat sich dementsprechend zu präsentieren. 

Und wie mache ich meinen Kindern klar, dass in einer Beziehung ganz andere Dinge zählen? Zumindest dann, wenn sie dauerhaften Bestand haben soll. Ich meine, wenn bei mir Schönheit, Jugend und Körpermaße die einzigen Auswahlkriterien für einen Partner sind, was passiert dann, wenn die im Alter nachlassen - oder wenn das Schicksal zuschlägt? Wer bleibt denn an meiner Seite, wenn ich durch einen Unfall entstellt oder behindert werde oder wenn ich durch Krankheit zum Pflegefall werde? Doch sicher kein "Bachelor". Umgekehrt gilt dasselbe. Wenn dem Heini das Geld und die Haare ausgehen, dann ist doch auch die Tussi schneller weg als sie "Personal Trainer" sagen kann. 

Verliebt man sich denn wirklich nur noch in das Äußere und in das, was jemand nach außen darstellt? Bin ich naiv zu glauben, dass es da noch mehr gibt? 

Wie kann ich gegen so viel Bildgewalt als Mutter anstinken? Und das alles wird vom Zielpublikum ja aufgesogen und entsprechend verinnerlicht. So etwas prägt dann auch das eigene Werturteil. Wie kann ich einer Tochter klarmachen, dass Aussehen eben NICHT alles ist und es eben KEIN Grund ist, Schönheits-OPs in Erwägung zu ziehen, Essstörungen zu entwickeln, sich zu ritzen oder umzubringen, nur weil man dem Schönheitsideal vielleicht nicht entspricht? Wie kann ich vermitteln, dass man auch ohne Model-Maße ein wertvoller Mensch ist und dass innere Werte eben DOCH zählen? Immerhin bin ich auch noch alt und mollig, da spricht doch nur der Neid und das Wunschdenken. Ehrlich gesagt hab ich da ganz schön Bammel vor. 

Hinzu kommen noch Formate wie "The Biggest Loser" oder "Schwer Verliebt" und die vielen unsäglichen Pseudo-Reality-Formate in den Privaten, wo sich übergewichtige Hartz IV-Empfänger zum Deppen der Nation machen. Da wird allen Ernstes gezeigt, wie eine dicke junge Frau von Fressgier getrieben in die Mülltonne klettert, um Torten rauszuholen (sic!). Da werden dann die, die dem Schlankheitsideal nicht entsprechen zum öffentlichen Abschuss freigegeben. Es wird vorgemacht, dass sie gemobbt und bepöbelt werden dürfen und geeignete Zielscheibe für den Spott der Nation sind (in diesen Sendungen werden sie übrigens gerne von den eigenen Kindern bepöbelt), denn es geschieht ja nur zu ihrem eigenen Guten. Auch in Filmen und Serien taugen Dicke immer zum Clown und zur allgemeinen Belustigung. Selbst in einem meiner Lieblingsfilme ist die dicke Schwester die Witzfigur und darf vom Vater mit "Halt die Klappe, Miss Dunkin Donut 2003" zum Schweigen gebracht werden. Ha ha, wie lustig! Immerhin sind sie ja selbst schuld, wenn sie sich so gehen lassen und den ganzen Tag nur fressen - zur Not auch Klopapier. Ich kenne diese Pseudo-Reality Formate nur ausschnittweise durch "Kalkofes Mattscheibe", befürchte aber, dass es da noch ganz andere Dinger gibt. Etwas weniger auffällig verblödete Formate warten dann mit der obligatorischen Ernährungsberaterin auf, die der dummen Dicken erklärt, dass Chips und Cola nicht kalorienarm sind und sie doch mal lieber nicht drei Familienpizzen zwischen den Mahlzeiten essen soll. Die öffentliche Meinung ist also, Dicke fressen den ganzen Tag sinn- und haltlos irgendwelches Zeug in sich hinein, machen nie Sport und sind sowieso faul und doof und selber schuld. 
Dass das aber in den meisten Fällen gar nicht stimmt, darauf kommt niemand. Dass viele sich auch quasi "dick hungern", das ist für einige einfach unvorstellbar. Mit den wissenschaftlichen Fakten möchte sich niemand beschäftigen, ist ja viel einfacher, die Leute einfach fertigzumachen. Wen es tatsächlich interessiert, der kann sich gerne mal anhören, was Experte Dr. Gunter Frank dazu zu sagen hat (zum Beispiel hier oder hier).
Und wer meint, das sei die Einzelmeinung eines Freaks, kann dazu gerne auch im Ärzteblatt nachlesen, dass vieles, was man bisher über die angeblichen Gesundheitsrisiken von Übergewicht angenommen hat, schlichtweg nicht belegt werden kann, im Gegenteil. 
Aber wer macht sich schon die Mühe, sich mit so etwas intensiv zu beschäftigen? Es herrscht das Bild vor, das die Medien auch noch so schön unterstützen. Ich erlebe es täglich. Und welche Teenie-Tochter wird schon ihrer Mutter glauben, dass Diäten kontraproduktiv sind und sie unterm Strich auf lange Sicht einfach immer nur noch dicker machen werden? 

Man übernimmt ja auch nicht nur das "Idealbild", sondern die Umwelt und die "Peer"-Gruppe übernimmt auch fraglos das "Gegenbild" und die angemessene Reaktion darauf. Sprich: Dicke muss man gängeln und kritisieren, weil die sich sonst zu Tode fressen. Ich tu ihnen sogar noch was Gutes, wenn ich sie ständig trieze. 
Da sowohl mein Mann als auch ich deutlich die Anlage zu Gewichtsproblemen haben, mache ich mir da doch extreme Sorgen um meine Kinder. Ich erinnere mich ja noch zu Genüge an meine eigene Schulzeit, wobei ich nie wirklich monströs dick war. Eben immer ein bisschen moppelig, aber das reichte schon und zu Abi- und Studien-Zeiten hatte ich dann auch Anflüge von beginnender Magersucht, was mir bei meinem Gewicht natürlich nie jemand glaubt. Aber sich wochenlang von schwarzem Kaffe, selbstgedrehten Zigaretten und Knäckebrot zu ernähren war keine gute Idee. Eine akute Gastritis und die unangenehme Erfahrung einer Magenspiegelung (damals noch ohne Betäubung) mit 18 hat mich vielleicht sogar davor gerettet, dass ich in die Magersucht drifte. 

Schlimm ist ja, dass es mit der Pro-Ana-Bewegung (oder auch Pro-Mia) auch noch jede Menge Seiten im Internet gibt, die das Anorexie-Problem verharmlosen und sogar Magersucht noch verherrlichen und propagieren und "hilfreiche" Tipps geben, wie man sich erfolgreich runterhungern kann. 

Ich habe wirklich Angst, dass ich da als Mutter nicht gegensteuern kann, schon gar nicht, wenn ich selbst nicht schlank bin. Und ich lebe sicherlich keine ungesunde Ernährungsweise vor (wie den Eltern dann ja immer schnell unterstellt wird) und achte darauf, dass meine Kinder sich ausgewogen und vernünftig ernähren. Aber ich möchte sie auch sicher nicht drangsalieren und in Essstörungen treiben, weil ich sie ständig kontrolliere. Eine Gratwanderung, die einem leider durch das öffentlich verbreitete Bild noch schwerer gemacht wird. 

Wie geht ihr mit diesem Thema um?

Samstag, 23. Februar 2013

Lebensmittelsicherheit - Verbrauchersache?

Wieder hat uns ein Lebensmittelskandal ereilt und es werden schärfere Kontrollen gefordert. Auf der anderen Seite lese ich aber auch immer wieder Kommentare nach dem Motto: "Selber schuld...". Man könne ja schließlich auch selber kochen anstatt auf Fertigprodukte zurückzugreifen. 

Schön und gut, aber ich kenne genug Leute, denen dazu eben nicht immer die Zeit bleibt und auch für Single-Haushalte lohnt es sich nicht immer frisch zu kochen. Plötzlich tun wieder alle so, als ob sie nie und nimmer Convenience-Produkte benutzen. Ich koche zwar oft frisch und bin noch nie ein großer Hackfleisch-Freund gewesen, weswegen Fertiggerichte, die Hackfleisch enthalten eigentlich selten bis nie den Weg in meine Küche finden, trotzdem finde ich die Häme ziemlich unangebracht. Man sollte sich als Verbraucher schon darauf verlassen können, dass man nicht irgendetwas untergejubelt bekommt. Und da sehe ich schon die Notwendigkeit für schärfere Kontrollen.

Wer frisch, regional und saisonal einkauft, kauft auch meistens teurer. Ich weiß, viele behaupten, das stimmt nicht, aber wenn man mal guckt, was frisches Obst und Gemüse zum Teil kostet und dann habe ich ja auch noch immer "Verschnitt" und brauche meist für ein Gericht mehr als eine Sorte. Wenn ich also jetzt auf jeden Cent schauen müsste, würde ich sicher auch noch häufiger Nudeln mit irgendeiner Fertigsauce machen oder die Familienpackung TK-Pizza bei ALDI kaufen. Die Sachen sind unschlagbar billig. Das einzig Frische, was mir einfällt, was noch günstiger oder genauso günstig sein könnte, ist ein Pott Möhrengemüse, denn Kartoffeln, Möhren und Zwiebeln sind im Allgemeinen auch noch ganz günstig zu haben. Ich will hier kein Plädoyer für Fertigprodukte halten, ich versuche auch, sie zu vermeiden, aber ich sehe auch genauso, dass es gute Gründe gibt, welche zu kaufen. 

Die andere Frage ist dann eben, ob wir nicht langfristig unser Konsumverhalten überdenken müssten. Ich stimme durchaus zu, dass wir viel zu viel Fleisch konsumieren und dass es daher so billig wie möglich sein soll. Wenn es nicht jeden Tag Fleisch sein muss, kann das Fleisch, das ich dann kaufe auch ruhig teurer sein. Fragt sich allerdings, ob bei teurem Fleisch nicht auch geschummelt werden könnte. Da würde es sich sogar noch mehr lohnen. Der Preis allein macht es also nicht. Hier scheint also tatsächlich "regional" der Schlüssel zu sein, weil da die Kontrolle leichter erscheint als bei einem unübersichtlichen internationalen Markt. Ich denke auch, dass wir eventuell Lebensmitteln einen höheren Stellenwert geben müssten. Sie sollten nicht den kleinsten Posten unserer Ausgaben ausmachen und wenn wir sparen müssen, dann lieber an anderen Dingen. Wer natürlich an allen Ecken und Enden sparen muss, ist da wieder gekniffen. Genussmittel wie Kaffee, Tee und Schokolade sind eigentlich Luxusartikel. Von daher müssten sie eigentlich auch viel teurer sein. Es ist eigentlich ziemlich pervers, dass ein Laib Brot in unserer modernen Welt teurer ist, als eine Tafel Schokolade. Ich denke hier sollte man auch Qualität vor Quantität gehen lassen und auf Fair Trade achten. Ich finde auch, dass die Billig-Schokolade zum Beispiel nicht gut schmeckt. Die ist meistens total übersüßt. Da esse ich lieber weniger, dafür hochwertiger. 

Es stimmt also, dass wir als Verbraucher auch ein Stück der Verantwortung tragen, weil wir zu diesen Kampfpreisen eigentlich nicht erwarten dürfen, dass da alles mit rechten Dingen zugeht. Trotzdem finde ich, dass man das Problem nicht einzig und allein auf die Verbraucher abwälzen sollte. Kontrollmechanismen und Strukturen, die mehr Transparenz für den Verbraucher schaffen, halte ich daher trotz allem für unabdingbar. 

Für mich habe ich einfach die Konsequenz gezogen, weniger Fleisch zu essen und dieses dann an der Fleischtheke oder beim Metzger einzukaufen. Ich kaufe auch viel Bio, auch wenn ich mir nicht immer sicher bin, wie viel das bringt und wie sehr man sich darauf verlassen kann. Ich denke aber es setzt zumindest das Signal für die Wirtschaft, dass Verbraucher auch bereit sind, mehr auszugeben, wenn sie dafür Qualität bekommen. Hier wünsche ich mir eigentlich auch mehr Transparenz und Sicherheit. Allerdings gehöre ich auch nicht zu den Leuten, die wirklich jeden Cent dreimal umdrehen müssen. Deswegen mag ich da auch nicht den Moralapostel spielen. 

Wie immer bei solchen Dingen ist die Situation einfach zu vielschichtig für einfache Lösungen und es wird wahrscheinlich nur ein Schuh daraus, wenn Politik, Verbraucher und Industrie Hand in Hand arbeiten. Fragt sich nur, ob das geschehen wird. 

Sonntag, 10. Februar 2013

Gib dem Affen Zucker - die Sache mit dem Süßkram

Wieder so ein Thema, um das Mütter richtige Glaubenskriege führen. Darf mein Kind Zucker essen? Und wenn ja - ab wann und wie viel? 




Bei meinem Sohn habe ich es lange Zeit vermieden, Zucker in irgendeiner Form anzubieten. Warum sollte ich ihm etwas anbieten, was er nicht von selbst verlangte? Zum ersten Geburtstag gab es noch weitgehend zuckerfreien Bananenkuchen, aber es gab auch zu Ostern einmal ein Schokoladenei, da war er auch noch kein Jahr alt. Aber als ich eins gegessen habe, wollte er eben auch einmal probieren. 

Inzwischen kann ich es gar nicht mehr vermeiden, dass er hier und da auch Süßes bekommt. In Maßen, nicht in Massen versteht sich. Ich glaube auch, je älter die Kinder werden, desto weniger Kontrolle hat man darüber und je strikter man Zucker zu verbieten versucht, desto mehr riskiert man, dass die Kinder dann in unbeobachteten Momenten überhaupt kein Halten mehr kennen und den wohldosierten Umgang mit der "Droge" Zucker nicht lernen können. 

Beim zweiten Kind wird es jetzt noch schwerer werden, es vom Zucker fern zu halten, weil es sich ja sicherlich am älteren Bruder orientieren wird und viel früher damit in Berührung kommt. 

Ich bin einfach keine Freundin von Extremen. Weder sollte man die Kinder ziel- und planlos alles in sich hineinstopfen lassen, noch sollte man ihnen ständig im Nacken sitzen und kontrollieren oder alles Süße total verteufeln. Ich bemühe mich wenig Zucker anzubieten. An Getränken gibt es Wasser und sehr dünne Fruchtsaftschorle und hin und wieder mal eine warme Schokoladenmilch zum Abendbrot (also keinen Kakao, sondern schon das Instantpulver, in dem ziemlich viel Zucker steckt - Kakao mochte der Sohnemann nicht). Er bekommt Butterkekse und Milchbrötchen (ebenfalls viel Zucker) und Zwieback, aber nicht täglich und möglichst auch nicht im Übermaß. Hin und wieder gibt es ein bisschen Schokolade oder einen Schokokeks, aber da steht er gar nicht so drauf.

An Halloween war allerdings ein Halten mehr. Da klingelten hier so viele Kinder und alle durften sich aus der großen Süßigkeitenschüssel bedienen, da wäre es brutal gewesen, ihm das zu verwehren. Anschließend rächte es ich für mich auch prompt mit einem total überdrehten Kind - wahrscheinlich totaler Zuckerflash. 

Als Kind habe ich bereits festgestellt, dass meine Freundin weit weniger Interesse an Süßem hatte als ich. Das lag vielleicht zum einen am individuellen Geschmack, aber aus heutiger Sicht denke ich, dass es vor allem daran lag, dass die Süßigkeiten bei ihr frei zugänglich waren. Es gab einen Süßigkeitenschrank, der regelmäßig gefüllt wurde und aus dem die Kinder sich bedienen durften. Ich glaube heute, dass das kein ungeschickter Schachzug war. Der Reiz des Verbotenen entfiel und die Kinder mussten sich selber einteilen, wie viel sie wann verputzen wollten. 

Wenn mein Sohn alt genug dafür ist, das zu verstehen, habe ich vor, es ähnlich einzurichten. Es gibt eine Art "Wochenration", die frei zugänglich ist und die er selbst verwalten darf und muss. Futtert er alles auf einmal, muss er halt den Rest der Zeit darben. 

Ich denke, es ist illusorisch seine Kinder komplett von den vielen süßen Schweinereien fern halten zu wollen, die die Süßwarenindustrie so parat hält. Auch steckt Zucker in unheimlich vielen Lebensmitteln, in denen man ihn gar nicht unbedingt erwartet. Ich versuche, darauf zu achten, aber gänzlich vermeiden wird man es nicht können, schon allein, weil irgendwann ja auch sozialer Druck hinzukommt. Dann ist das Kind nachher der Doofe mit der Öko-Mama, der auf Klassenausflügen immer mumpfige Dinkelkekse, mit Sprossen und Salatblättern belegtes Vollkornbrot und stilles Wasser mitbekommt. Nichts gegen Vollkornbrot und Dinkelkeks, aber da dürfen es dann doch auch mal ein paar Schokoriegel oder Chips sein, schon allein damit man was zum Tauschen und Teilen hat. 

Wie immer wird es wohl der goldene Mittelweg sein, der am Praktikabelsten ist. Ich hoffe, dass mir das gelingt. 

Und wie haltet ihr es mit dem Süßkram?

Dienstag, 5. Februar 2013

Isch hab Rücken, oder: beim nächsten Kind wird alles anders...



Ich war bisher der Illusion erlegen, dass die zweite Schwangerschaft leichter würde als die erste. Man weiß ja schon, was auf einen zukommt, ist also nicht mehr so panisch, was viele Dinge angeht, alles ist schön "vorgedehnt" und man kann viele Symptome auch direkt besser deuten und einordnen. Das sollte es doch eigentlich besser machen. Schwangerschaft ist bekanntlich keine Krankheit, auch wenn man mit einigen Malessen zu kämpfen hat und in der ersten Schwangerschaft habe ich das auch zum größten Teil so empfunden. Da ging es mir überwiegend eigentlich sehr gut. Also dachte ich so bei mir, es kann ja nur wieder genauso oder besser werden...

Pustekuchen. Die ersten vier Monate war mir saumäßig übel. In der ersten Schwangerschaft hatte ich auch eine ganze Weile mit Übelkeit zu kämpfen, aber es war weniger schlimm als dieses Mal. Übrigens in beiden Fällen keine "Morgenübelkeit", sondern eine, die mittags anfing und sich bis in den Abend steigerte. Morgens ging es mir also eigentlich noch am besten. 

Auch in der ersten Schwangerschaft war ich zu Beginn oft müde. In der zweiten war auch das Phänomen verstärkt. Da gab es so Momente, da dachte ich: Innerhalb der nächsten fünf Sekunden brauche ich ein Bett/Sofa oder aber ich falle einfach an Ort und Stelle um. Brauchte dann auch jeden Nachmittag mindestens eine Stunde Schlaf. Blöd nur an den Tagen, wo ich arbeiten musste und anschließend den Kleinen abholen. Da bin ich immer nach Hause gerast, um schnell noch vorher ein bisschen zu schlafen. 

Nachdem die Übelkeit verschwunden war, ging es dann eine Weile sehr gut. Dann kamen irgendwann fiese Bauchschmerzen hinzu. In der ersten Schwangerschaft war es ein leichtes Ziepen und Zwacken, als sich die Bauchmuskulatur auseinanderschob, die Mutterbänder dehnten und auch später hatte ich beim Umdrehen im Bett und beim Laufen häufig mit Symphysenschmerzen zu kämpfen. Dieses Mal ist das alles verstärkt. Es gab ein paar Tage, da konnte ich mich kaum rühren, weil jede Bewegung schmerzte als hätte ich einen extrem starken Muskelkater im Bauch in Kombination mit Regelschmerzen. Hochdosiertes Magnesium hat dann etwas geholfen. 

Inzwischen im letzten Drittel leide ich unter extremer Schlaflosigkeit (hatte ich in der ersten nur phasenweise und nicht ganz so schlimm), Rückenschmerzen, echt unangenehmen Symphysenschmerzen und die Firma Bayer verdient sich eine goldene Nase, weil ich ihre gesamte Rennie-Produktion aufkaufe. Hilft zwar auch nur bedingt, ist aber das einzige, was man gegen Sodbrennen einnehmen darf. An fieses Sodbrennen erinnere ich mich auch noch aus der ersten Schwangerschaft und an Nächte, in denen ich nur mit hochgestelltem Kopfteil vom Bett überhaupt schlafen konnte, aber dieses Mal fing es früher an und ist auch heftiger. 
Es gibt ja den alten Aberglauben, Sodbrennen trete vor allem dann auf, wenn das Baby besonders viele Haare hat. Beim meinem Sohn kam es hin, der hatte schon bei der Geburt ziemlich viele Haare. Bin gespannt. Dem Sodbrennen nach gebäre ich Vetter It. 




In der ersten Schwangerschaft habe ich bis zum letzten Tag vor dem Mutterschutz noch vor der Klasse gestanden, dieses Mal wurde ich schon dreieinhalb Wochen eher aus dem Verkehr gezogen, weil es gegen Ende jetzt echt nicht mehr ging. 

Bei meinem Sohn hatte ich dann ja anschließend keine Wehen und er wurde schließlich per Kaiserschnitt geholt, weil beim CTG eine Dezeleration der Herztöne festgestellt wurde und der Doppler-Ultraschall auch nicht mehr so optimal war. 
Wenn sich das Thema jetzt weiter durchzieht, macht mir das ja doch etwas Angst vor der Geburt. "Übungswehen" gab es immerhin schon mal, aber die hatte ich soweit ich das beurteilen kann auch in der ersten Schwangerschaft. Die sind allerdings ja auch nicht weiter schlimm oder unangenehm.

Nun ja, warten wir's einfach ab. Es scheint allerdings durchaus ein bekanntes Phänomen zu sein, dass die zweite Schwangerschaft unangenehmer ist als die erste und meine Hebamme sagte, das liegt unter anderem auch daran, dass man sich in der ersten natürlich noch weitaus mehr schont. Da ist natürlich etwas dran. Schonen geht ja zum Teil überhaupt nicht. Muss ja ständig meinen Sohn hochheben und tragen. Auch wenn er für sein Alter mit zehn, knapp elf Kilo noch ein Leichtgewicht ist, man weiß jedenfalls abends doch, was man getan hat. 

Und wie ging es euch anderen Mehrfachmüttern? Habt ihr ähnliche Erfahrungen oder war beim zweiten dann alles easy?

Montag, 4. Februar 2013

Schnulleralarm!


Schnuller oder nicht? Noch so eine Glaubensfrage unter Eltern. Und wenn: welchen, wie lange, wann und wie abgewöhnen? Auch hier werden Eltern wieder vor jede Menge Entscheidungen gestellt. Dazu im Folgenden meine Erfahrungen mit dem Nuckel:

Am Anfang stand für mich fest: mein Kind braucht keinen Schnuller. Es wird gestillt und hat zur Not einen Daumen und damit basta. Schon in der zweiten Nacht im Krankenhaus nach mäßig erfolgreichen Stillversuchen, Erschöpfung und kaum zu beruhigendem Kind, war ich dankbar, dass die Schwester so ein Ding parat hatte und mein Sohn zufrieden nuckelnd einschlief. Klar, ein Beruhigungssauger macht sich den natürlichen Saugreflex zunutze und beruhigt damit das Kind ohne dass es dafür angelegt werden muss. Mama kann schlafen und Junior schnullert vor sich hin.

Seitdem war der Schnuller nicht mehr wegzudenken, allerdings kam er bei uns hauptsächlich als Einschlafhelfer und in Notfällen zum Einsatz. Ich habe mich bemüht, ihn nicht ständig und immer zur Beruhigung anzubieten. Vielleicht hätte ich mir bei meinem Schreikind viel Stress ersparen können, aber ich wollte ihn einfach nicht zu sehr an diesen Brustersatz gewöhnen. 

Zum einen kann es durch Schnuller und Fläschchen unter Umständen zu einer "Saugverwirrung" kommen. Das Saugen an der Brust erfordert eine ganz andere Technik und viel mehr Kraft als das Trinken aus dem Fläschchen oder das Herumnuckeln an einem Sauger. Das Kind kann dadurch verwirrt werden und trinkt eventuell nicht mehr richtig an der Brust. Zu einer Saugverwirrung kam es bei uns zum Glück nicht, auch wenn das Stillen nicht immer ganz einfach war. 
Zum anderen kann ein übermäßiger Gebrauch des Schnullers auch zu Kiefer- und Gaumenfehlstellungen führen. Experten raten daher, den Gebrauch schon nach dem ersten Jahr drastisch zu reduzieren und die Kleinen langsam zu entwöhnen. Der Druck auf die Zahnreihen, das Saugen und das Luftpolster zwischen den Zähnen, das einen korrekten Aufbiss verhindert können das angelegte Milchgebiss verschieben und zu Fehlstellungen wie einem Kreuzbiss der Seitenzähne, einem offenen Biss oder zu einer Frontzahnstufe führen. Das kieferorthopädisch zu regulieren kostet Zeit, Geld und Nerven. 
Allerdings ist Daumen- oder Fingernuckeln auch nicht unbedingt günstiger, was das angeht. Jeder "Fremdkörper", der über längere Zeit im Mund liegt und gegen die Zähne drückt kann zu Fehlstellungen führen. 
Insofern ist der Schnuller das geringere Übel, weil man ihn zum Abgewöhnen einfach irgendwann wegnehmen kann. Das Daumen- bzw. Fingernuckeln ist da weit schwieriger abzugewöhnen. Militante Methoden wie das Umwickeln der Finger, Fäustlinge oder sogar das Zunähen der Schlafanzugärmel sind wohl kaum das Mittel der Wahl und auch der Einsatz von speziellen Mitteln mit Bitterstoffen ist nicht so erfreulich. 

Desweiteren können Schnuller gesundheitsschädliche Stoffe wie Weichmacher enthalten. Das ist leider bei einigen Silikonsaugern der Fall, wie ich kürzlich lesen durfte. Da kann man sich bei Öko-Test erkundigen. Für uns kamen die Latexsauger leider nicht in Frage, da sie leicht klebrig werden. Wir haben eine Katze und überall fliegen Haare herum, egal wie oft man saugt. Sie lassen sich auch schlechter reinigen und waren auch im Test nicht alle ganz ohne, was austretende Schadstoffe beim Auskochen anging. 

Kurzum, der Schnuller ist sicher nicht für den Dauergebrauch gemacht und man sollte ihn so schnell es geht auch wieder loswerden. Mal abgesehen davon, dass er auch die Sprachentwicklung hemmen kann, wenn die Zunge ständig mit dem Schnuller beschäftigt ist und ich persönlich Kinder, die schon laufen und sprechen können und trotzdem ständig mit dem Schnuller im Mund herumlaufen, auch irgendwie einen albernen Anblick finde. Ich muss dazu sagen, dass unser Sohnemann den Schnuller auch tagsüber kaum vermisst hat und es gar nicht erst zu Grabenkämpfen kam. So kann ich natürlich nicht beurteilen, welcher Nervenkrieg bei manchen Eltern hinter einer solchen Schnuller-Resignation stecken mag. 

Bei uns in der KiTa wird den Kindern der Schnuller eigentlich auch relativ schnell abgewöhnt. Sie orientieren sich da schnell an den älteren Kindern, die natürlich keinen mehr haben. Und da unser Spross schon mit 16 Monaten in die KiTa kam, war das alles recht unproblematisch.

Zum Abgewöhnen empfehlen sich wie immer bei Kindern Rituale. Da gibt es bei einigen die "Schnullerfee", die den Schnuller irgendwann mitnimmt und dafür ein Geschenk dalässt. Man kann eine Art Initiationsritus daraus machen, das Kind den Schnuller selbst wegwerfen lassen, vielleicht sogar "beerdigen". Was auch immer dem Kind hilft, den Abschied symbolisch nachzuvollziehen und es mit einer positiven Erinnerung wie Stolz (Jetzt bin ich "groß"), einer schönen gemeinsamen Unternehmung, einem Geschenk oder Ähnlichem zu verbinden. 

Unser Kleiner braucht den Schnuller nur noch abends zum Einschlafen und auch da nicht immer. Insofern habe ich die Hoffnung, dass wir ihn um seinen zweiten Geburtstag herum dann auch ziemlich problemlos endgültig in die Verrentung schicken können. Das wird sich dann zeigen. 

Halbtagsjob, Kinder und Feminismus...passt das eigentlich?



Angesichts der aktuellen Sexismus-Debatte wird auch immer wieder die Frage gestellt, ob  die Frauenbewegung nicht inzwischen überflüssig geworden ist. Teilweise hört man sogar die Forderung, dass Männer jetzt vor den zu hohen Erwartungen der emanzipierten, modernen Frauen "geschützt" werden müssten.

Ist das so? Hat sich die Frauenbewegung überflüssig gemacht, weil wir inzwischen Gleichberechtigung erreicht haben? Ich erlebe immer wieder spöttische Bemerkungen über "Emanzen" und besonders junge Frauen wollen damit oft lieber nichts am Hut haben, denn eine Feministin zu sein gilt als "unsexy". Und das will ja heute um Gottes Willen bloß niemand riskieren. 

Die Frauenbewegung hat viel erreicht und ich bin froh und dankbar für all die Vorkämpferinnen, die es ermöglicht haben, dass ich wählen darf, dass meine Ausbildung und mein Universitätsstudium nicht als "unnötige Verschwendung" angesehen wurde, weil ich ja ohnehin heiraten und dann zuhause bleiben würde. Ich bin dankbar, dass ich über meinen Körper bestimmen darf und auch als verheiratete Frau "Nein!" sagen darf, wenn ich keine Lust habe. Ich bin dankbar, dass ich arbeiten darf und darüber nicht mein Ehemann zu entscheiden hat, dass ich mein eigenes Geld habe und darüber frei verfügen kann und vieles vieles mehr.

Dennoch glaube ich, dass wir noch keine wirkliche "Gleichberechtigung" erreicht haben. Haushalt und Kindererziehung liegen weitgehend immer noch in der Verantwortung der Frauen. Es ist nach wie vor in den meisten Fällen die Karriere der Frau, die zugunsten der Familie zurücksteht. Frauen verdienen im Allgemeinen immer noch weniger, sind seltener in Führungspositionen anzutreffen, sind nach wie vor öfter Opfer von häuslicher Gewalt und sexuellen Übergriffen. 

Im Gegenteil, vielleicht sind für die modernen Frauen noch neue Probleme hinzugekommen. Der Arbeit-Familie-Spagat wird heute ja quasi schon erwartet. Eine Frau, die nicht arbeiten geht und sich nur ihrer Familie widmet, wird genauso schräg angeguckt wie eine, die sich entscheidet, der Karriere den Vorrang zu geben und entweder die Kinderbetreuung in andere Hände zu geben oder eben kinderlos zu bleiben. Der einen wird Faulheit und mangelnder Ehrgeiz, der anderen Egoismus und Karrieregeilheit vorgeworfen. Alles Probleme, denen sich FamilienVÄTER im Allgemeinen nicht gegenüber sehen. Ein Mann, der sich entschließt, Hausmann zu sein, würde immer noch bei vielen belächelt. Viele Arbeitgeber reagieren auch nach wie vor mit Unverständnis, wenn Männer von ihrem Recht auf Elternzeit Gebrauch machen. Ein Bekannter erzählte, dass der Vorgesetzte eines Kollegen, der den Wunsch äußerte, die "Vätermonate" zu nehmen, antwortete: "Das habe ich jetzt gerade hoffentlich nicht gehört!".

Wo sind sie denn, die vielen erfolgreichen, modernen, starken Business-Frauen, die spielend nebenbei noch ihre Familie managen bzw. die sich die häuslichen Aufgaben tatsächlich gleichberechtigt mit dem Partner teilen? Das ist nach wie vor eher die Ausnahme als die Regel und beschränkt sich auch häufig eher auf das Bildungsbürgertum. Es gibt selbstverständlich immer Ausnahmen, aber ich denke, dass das am weitesten verbreitete Modell immer noch die teilzeitarbeitende Mutter und Hausfrau ist. Bei uns ist es ja nicht anders. Und da wären wir bei meiner persönlichen Gretchenfrage:

Als bekennende Feministin, Alice-Schwarzer-Fan und ehemalige EMMA-Abonnentin...wie kann es da sein, dass ich halbtags arbeite, um meine Kinder zu betreuen und den Löwenanteil des Haushalts zu übernehmen? Warum begnüge ich mich mit einem "soliden" Job und habe nie versucht großartig karrieremäßig durchzustarten? 

Das liegt in erster Linie an meinem Bild der "emanzipierten" Frau. Das Wichtige an der Angelegenheit ist für mich, dass es MEINE Entscheidung ist. Dass ich mich entscheiden DARF und KANN. Mein Mann und ich verdienen inetwa gleich gut (oder schlecht ;-))) ) und für niemanden ist es so leicht, Teilzeit zu arbeiten wie für mich als Angestellte im Öffentlichen Dienst. Ich hatte auch Lust darauf, meine Kinder die ersten 1 1/2 Jahre zu betreuen. Mein Mann ist von morgens 7 oder 8 bis abends 18 Uhr, oft auch später aus dem Haus. Dass er danach nicht mehr unbedingt den Haushalt schmeißen möchte, ist mir klar. Ich war 1 1/2 Jahre mit unserem Sohn zuhause, hatte also eher Zeit für Küche, Wäsche, Putzen und dergleichen mehr. Oft habe ich es trotzdem nicht geschafft und bei uns blinkt und blitzt es keineswegs. Mein Mann erwartet das aber auch nicht von mir und wenn er am Wochenende Zeit hat, hilft er, nimmt den Kleinen, hängt Wäsche auf, kümmert sich um Reparaturen, mäht Rasen, es ist also durchaus nicht so, als ob er ins gemachte Nest zurückkehrt, sich um nichts mehr kümmert und sich von der Gattin umsorgen lässt. Da hat sich auch am Rollenbild viel getan und die meisten Männer helfen zuhause mit. 

Ich glaube allerdings auch, dass es noch viel zu viele Familien gibt, wo das nicht der Fall ist und dass es immer noch viel Luft nach oben gibt, was die bessere Vereinbarkeit von Karriere und Familie für Frauen angeht. Auch sind wir noch weit entfernt von einem wirklichen Bewusstseinswandel, was die Vaterrolle angeht. Wäre es nicht wünschenswert, wenn es selbstverständlicher würde, dass auch ein Mann zuhause bleiben und die Kinder betreuen kann? Ohne dumme Sprüche, ohne Komplexe, ohne sich den Karriereast abzusägen? 

Und was ist nun mit dem Sexismus? Gibt es ihn oder ist es "viel Lärm um nichts"? Da heißt es, wir Frauen könnten uns doch wehren. Ja, können wir. Aber viele trauen sich nicht, wenn sie in einem Abhängigkeitsverhältnis stehen und außerdem - warum sollen wir das müssen? Ich finde einfach, dass Männer und Frauen sich in beruflichen Kontexten mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen sollten und dass sexuelle Anspielungen und dergleichen mehr dort einfach nichts zu suchen haben. Da gibt es andere Gelegenheiten, wo die Grenzen fließender sind. Mal losgelöst von der Debatte um Brüderle...da weiß ich nicht, ob Frau Himmelreich sich und der Sache einen Gefallen getan hat mit der Art und Weise und dem Zeitpunkt, wie dies an die Öffentlichkeit kam. Es wird jetzt viel zu sehr mit diesem Einzelfall und mit Negativ-PR verknüpft. 

An der Reaktion vieler Frauen sieht man allerdings, es gibt durchaus alltäglichen Sexismus und es wäre schön, wenn es ihn nicht gäbe. Wenn keine Notwendigkeit bestünde, sich "zu wehren". Vielfach höre ich auch das Argument, dass Frau Himmelreich nicht von Sexismus gesprochen hätte, wenn es sich um George Clooney oder sonst einen Beau gehandelt hätte und nicht um einen 67-jährigen Politiker. Das mag wohl sein. Und das bringt mich auf den Unterschied zwischen "Flirt" und "sexuellem Übergriff". Gerade in gelockerter Atmosphäre darf man(n) meines Erachtens ja einmal vorsichtig "vorfühlen". Aber es reichen doch sehr subtile Signale (Blickkontakt, leichtes Verringern des "Wohlfühlabstands") um auszuloten, ob beim Gegenüber Interesse besteht, oder ob es auf Abstand bleibt und mit Abwehr reagiert? Da muss ich doch nicht gleich auf anatomische Merkmale Bezug nehmen oder gar antatschen. Männer ignorieren Abwehrsignale der Frauen aber leider immer wieder. Plumpe Anmache wird als "Kompliment" gewertet. Frau soll sich doch freuen, wenn hinter ihr Schnalzlaute gemacht werden oder ihr wie einem Hund hinterher gepfiffen wird. Nein, das ist kein Kompliment. 

Und es gibt auch "negativen" Sexismus. Entspricht frau mit ihren äußeren Merkmalen nicht dem Wunschbild der Männer, wird sie auch oft ganz übel "angemacht". Worüber werden bei Frau Merkel die meisten Witze gemacht? Klar, über ihr Aussehen. Und, sehen die Herren Politiker etwa besser aus? 
Ein Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung. Eines Nachts nach einem lustigen Abend in einem Irish Pub auf dem Kiez waren meine Freundin und ich auf dem Weg nach Hause. Wir waren den ganzen Tag nicht dazu gekommen, etwas zu essen und hatten auf leeren Magen doch etwas zu viel getrunken. Also ab zu McDoof und einen (!) Cheeseburger auf die Hand, ab zum Nachtbus. Unterwegs kommt uns eine gemischtgeschlechtliche Gruppe entgegen. Ein Mann, ungefähr so breit wie hoch, eine schlanke blonde Frau im Arm, schaut uns abschätzend an (damals war ich noch sehr viel schlanker als heute, also gerade mal ein bisschen pummelig) und pöbelt. "Boah, so fett und dann noch Burger fressen!". Wie gesagt, der Typ sah selber aus wie ein wandelndes Quadrat und war wesentlich dicker als ich oder meiner Freundin. Ich bleibe konsterniert stehen und mir rutscht spontan heraus: "Hast du dich eigentlich mal selber angeguckt, Fettfresse?!". Darauf die Freundin in schrillem Ton: "Na und? Der ist aber auch ein Mann!". Äh ja, nee klar. Mann darf also aussehen wie er will und wahllos Frauen bepöbeln. Schon klar, aber es entspricht meiner Erfahrung. Männer werten gnadenlos und tun das auch gerne lautstark. Ob nun im positiven oder im negativen. Und dabei ist es ihnen egal, in welcher "Liga" sie spielen. So hätte Herrn Brüderle auch bewusst sein müssen, dass seine Avancen bei einer attraktiven 29-jährigen - ungeachtet der Umstände und des Alkoholpegels - nicht erwünscht sein dürften. Man muss doch ein bisschen ein Gespür dafür haben, was geht und was nicht. Und ich darf ja auch vieles denken, aber muss ich es immer auch sagen - oder am besten quer über die Straße brüllen? 
Am besten frage ich mich doch erst einmal bevor ich den Mund aufmache, wie mein möglicher Kommentar wohl beim Gegenüber ankommt.

Stellt sich die Frage, ob es keine Belästigung ist, wenn der Mann jung und attraktiv wäre. Das steht und fällt doch wie gesagt mit den Signalen der Frau und ihrer Reaktion auf zaghaft-flirtives Verhalten. Wenn ich aber immer gleich in die Vollen gehe und gleich mit einem markigen Spruch über Busen und Fahrgestell oder dem Griff ans Knie loslege, wie will ich da feststellen, ob die Frau vielleicht einer Annäherung nicht ganz abgeneigt wäre? Das weiß ich dann, wenn ich bereits übergriffig wurde. Etwas zu spät. Es gibt durchaus Damen, die auch von George Clooney nicht ungefragt angetatscht werden wollten. Dazu gehöre ich, schließlich bin ich glücklich verheiratet.

Es gab auch Situationen, da waren die "Belästigungen" charmant oder witzig, aber das liegt daran, dass es Interaktions-Situationen sind und diese sich entwickeln. Solange diese Dinge symmetrisch ablaufen und nicht einseitig, kann es auch mal nett sein. Beispiele aus meiner Vergangenheit. Ich stehe in einer Kneipe, trage ein relativ tief ausgeschnittenes Oberteil und eine Kette. Ein junger Mann nimmt Blickkontakt auf - wobei ich durchaus einladend zurückgeschaut habe. Als er mich schließlich anspricht, deutet er auf meinen Ausschnitt und sagt: "Ist das Keltisch?" (der Kettenanhänger). Natürlich war klar, dass er eher weniger von dem Kettenanhänger fasziniert war. Ist das sexistisch? Ich würde sagen nein, da meine Reaktion zeigte, dass ich nicht ganz uninteressiert war. Der junge Herr wurde auch anschließend mein Freund. 
Eine andere Sitution: ich gehe im Kurzen Rock mit blickdichter Strumpfhose über die Straße. Hinter mir zwei junge Männer. Einer ruft: "Woah, schöne Beine!!". Ich drehe mich genervt um und gucke ihn böse an. Darauf ganz eingeschüchtert...: "...und so alleine...die Beine...". Da mussten wir dann beide lachen. Ich und meine schönen Beine sind dann einfach weiter des Weges gegangen und die Jungs sind in irgendeinen Laden abgebogen. Das sind Dinge, die bleiben durchaus in positiver Erinnerung und es wäre schade, wenn sich Männer jetzt gar nicht mehr trauen würden, uns anzusprechen oder Komplimente zu machen. Meine Meinung ist, dass die Grenzen fließend sind und dass man solche Dinge sensibel handhaben muss. Es kommt auf die Umstände, auf meine Beziehung zu dem Gegenüber, das Machtgefälle und vieles mehr an und letzten Endes auch auf die in der Interaktion spürbaren Signale. 

Gibt es auch Sexismus gegenüber Männern? Wer schon mal eine Horde Frauen beim Junggesellinnenabschied als Publikum beim Male Strip beobachtet hat weiß, auch Frauen können zu hormongeladenen reißenden Bestien werden. Allerdings wissen die Jungs, worauf sie sich einlassen und bekommen dafür Geld. Dass eine Frau in wichtiger Position über einen Sex-Skandal stolpert, habe ich persönlich noch nicht gehört. Es dürfte auch eher selten sein. Auch die Chefin, die ihren Angestellten belästigt, ist sicherlich seltener anzutreffen als es umgekehrt der Fall ist. Das liegt zum einen daran, dass es viel weniger Frauen in Führungspositionen gibt, zum anderen daran, dass sie sich diese viel härter erkämpft haben und sich viel bewusster sind, was sie aufs Spiel setzen und zum anderen daran, dass Frauen Sex weniger als Machtinstrument benutzen. Mal ganz abgesehen davon, dass es rein biologisch natürlich schwer ist, einen Mann gegen seinen Willen zu sexuellen Handlungen zu zwingen. Ich sage damit nicht, dass es das überhaupt nicht gibt, aber es dürfte doch eher die Ausnahme sein. Das bedeutet nicht, dass es okay wäre. 

Männer und Frauen sollten sich eben wirklich mit Respekt und auf gleicher Höhe begegnen. Das ist noch lange nicht immer der Fall. Und solange es noch keine wirkliche "Gleichberechtigung" gibt, ist auch der Feminismus nicht überflüssig geworden. Es ist allerdings meines Erachtens schön, dass die Debatte nicht mehr ganz so kämpferisch und verbissen geführt werden muss, wie das früher der Fall war. 

Es geht heute hauptsächlich darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was nach wie vor falsch läuft, das kann in kleinen, langsamen Schritten geschehen und auf lange Sicht hoffe ich einfach, dass sich das Rollenverständnis zwischen Mann und Frau positiv verändern lässt.