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Donnerstag, 29. August 2013

Abgeschoben...?!


In einer Diskussion um das Thema Frauen in Führungspositionen und Rollenbilder ging es darum, dass einer Umfrage zu Folge 60% der Deutschen über 30 das althergebrachte Rollenmodell präferieren: Mann geht arbeiten, Frau kümmert sich hauptsächlich um die Kinder. 

Im Laufe der Diskussion brachte auch jemand wieder das Argument: "Wenn ich Kinder in die Welt setze, schiebe ich sie nicht bei Zeiten wieder ab in Kinderkrippe oder Kindergarten." Durchaus akzeptiert wurde es, wenn es wirtschaftlich nicht anders möglich sei. Da kriege ich ja schon wieder die Krise.

Warum wird Müttern ein schlechtes Gewissen gemacht, wenn sie ihre Kinder in Betreuungseinrichtungen geben? Mal ehrlich, was soll ich meinem Sohn hier zu Hause denn Besseres bieten können als das, was er täglich in der KiTa bekommt? Er ist mit anderen Kindern zusammen, es gibt ein großes Außengelände, wo er die ganze Zeit toben und spielen kann, er hat Kontakt zu älteren wie auch zu jüngeren Kindern und zum Beispiel auch zu Kindern mit Behinderungen oder mit Migrationshintergrund. Er lernt, sich durchzusetzen, zu kooperieren, zu teilen, Rücksicht zu nehmen und wie man miteinander spielt statt jeder für sich. Er sieht, wie unterschiedlich Kinder und ihre Familien sind und dass das etwas ganz Selbstverständliches und eine Bereicherung ist. Was er hier an sozialen Fähigkeiten nebenbei erwirbt, kann er bei mir zu Hause doch gar nicht in der Form lernen. Hier würde er doch gar nicht über den Tellerrand schauen können. 

Warum sollte es für ein Kind besser sein, die ganze Zeit an Mamas Rockzipfel zu hängen? Dass ich ihn liebe und für ihn da bin, sieht mein Sohn auch so. Er freut sich, wenn ich ihn abhole und dann mit ihm spiele. Er freut sich, wenn ich am Wochenende Zeit für ihn habe, aber er freut sich auch immer wieder in die KiTa zu gehen. Klar, das funktioniert nur, wenn die KiTa gut ist und die Kinder auch wirklich im eigentlichen Sinne "betreut" werden, nicht bloß verwahrt. Das ist bei unserer KiTa aber der Fall und bei den meisten anderen, die ich mir angeschaut habe auch. Gerade deshalb darf an diesem Ende auch nicht gespart werden. 

Ich wage zu behaupten, dass Kinder oft in solchen Einrichtungen wesentlich besser aufgehoben sind, als bei Mama zu Hause. Und zwar nicht nur, weil sie nicht in jeder Familie gefördert und gefordert werden, sondern eben auch, weil die Familien heute klein sind und die Kinder so hauptsächlich mit Erwachsenen zusammen sind. Mein Großer ist immer so ausgeglichen, wenn er in die KiTa geht. Die drei Wochen in den Ferien, wo die KiTa geschlossen war, waren schon eine echte Herausforderung. Da waren wir alle nahe am "Lagerkoller". Er hat solchen Spaß daran, mit den anderen Kindern zu spielen und zu toben. Es ist etwas anderes, wenn er mit einer Horde Kinder durch die Gegend läuft oder mit mir. Er ist ganz anders ausgepowert. Er lernt ganz anders und es geht ihm richtig gut dabei. 

Auch wenn ich jetzt in Elternzeit bin und ihn eigentlich auch schon früher abholen könnte, bringe ich ihn ohne schlechtes Gewissen in die KiTa. So kann ich mich auch ausreichend um die Kleine kümmern, die wesentlich weniger fordernd ist und so oft weniger Aufmerksamkeit bekommt als ihr Bruder. Sie würde mit ihrem genügsamen Temperament immer etwas zu kurz kommen. Hinzu kommt, dass ich neben Haushalt, Kindern und Beruf auch noch Interessen habe, denen ich in dieser Zeit nachkommen kann. Man kommt sich wie der größte Egoist vor, wenn man so etwas äußert. Es herrscht immer noch das Bild der Mutter vor, die kein eigenes Leben mehr hat und sich für ihre Familie aufopfert und aufgibt. Wer das nicht möchte, ist gleich selbstsüchtig und "schiebt die Kinder ab". 

Ich freue mich über die Zeit, die ich jetzt habe, um zum Beispiel zu bloggen, um an meinen Büchern zu arbeiten, zu lernen und kreativ sein zu können. Ich bin auf diese Art glücklicher und ausgeglichener und kann so wahrscheinlich auch eine bessere Mutter sein. Ich habe nie auch nur ansatzweise ein schlechtes Gewissen gehabt, weil ich meinen Sohn wirklich optimal betreut weiß und er sehr gerne in die KiTa geht. 

Von "abschieben" kann da meiner Meinung nach keine Rede sein. Mein Sohn spürt, dass er mir sehr wichtig ist und dass ich für ihn da bin, auch ohne dass er rund um die Uhr mit mir zusammen ist.  

Donnerstag, 15. August 2013

Wie wird man zum Sportmuffel?



Wenn ich mir anschaue, wie mein 2-jähriger Sohn draußen mit seinem Bobbycar herumfetzt, rennt, klettert, springt, krabbelt, rollt...eigentlich nie mal still steht oder sitzt, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass aus dem fidelen Kerlchen mal ein Spormuffel werden könnte. 

Andererseits muss ich mich nur an meine eigene Kindheit zurückerinnern. Ich bin auch gerannt, gehüpft, geklettert, habe im Wald gespielt, ganz im Geist der 80er mit Disco-Rollern durch die Gegend gerollt, bin Fahrrad gefahren und meine Eltern haben uns in den Ferien zum Wandern im Sauerland mitgeschleppt. Trotzdem wurde über die Jahre aus mir ein Sportmuffel. 

Gut, Computer und Fernsehen schlagen Kinder in den Bann, aber wenn man ein bisschen konsequent ist und - wie unsere Eltern damals - die Kröppen irgendwann rausschmeißt, ("Geht mal wieder ein bisschen nach draußen, es ist so schönes Wetter!") müsste doch auch das zu meistern sein. Klar, drei reguläre Fernsehkanäle und ein C64 waren sicherlich auch noch nicht ganz so verlockend wie die heutigen Spielekonsolen, aber dafür gibt es heute auch Computerspiele, die sehr bewegungsintensiv sind und bei denen rumgehüpft, getanzt, geboxt usw. wird. Da sitzt man lange nicht mehr nur mit Controller oder Joystick auf der Couch. Das wird sich dann vermutlich ausgleichen, obwohl Bewegung in freier Wildbahn natürlich effektiver und gesunder ist. 

Wenn ich auf meine eigene Geschichte zurückblicke, muss ich sagen, dass mir Sport eigentlich konsequent in der Schule abgewöhnt wurde. Das war eine Veranstaltung, die speziell später in der Pubertät derart mit Ängsten und Scham besetzt war, dass ich mich oft gedrückt habe und geglaubt habe, ich wäre einfach vollkommen unsportlich. 

Eigentlich hat uns nie jemand wirklich angeleitet oder an Bewegung herangeführt. Man musste es können oder man ging unter. In der Pubertät kam dann noch hinzu, dass ich mich total für meinen Körper - vor allem den Busen, der beim Sport ja plötzlich jede Bewegung mitmachte - geschämt habe. Früher war man auch irgendwie noch verklemmter und mir hat nie jemand erklärt, dass das mit dem passenden Sport-BH alles auch kein Problem ist. 

Ich erinnere mich noch ans Laufen. Namentlich: Waldlauf. Das ging so. Eine Horde unwilliger Schüler wurde nach draußen in den Wald getrieben, die Sportlichen liefen vorweg, die anderen versuchten im selben Tempo mitzuhalten, was dazu führte, dass die Untrainierten dann irgendwann mit Seitenstechen, Schwindel und brennenden Lungen irgendwo auf der Strecke blieben und damit rangen, sich nicht ins Unterholz zu übergeben. Lerneffekt: Sport kann ich nicht, tut weh und macht keinen Spaß. Niemand hat was von optimalem Trainingspuls gesagt oder einem erklärt, wie man richtig läuft. Es gab kein alternierendes Gehen und Laufen. 

Fußball war auch so was. Es gab viele, die spielten im Verein oder freizeitmäßig und waren richtig gut und daran wurde alles ausgerichtet. Ich erinnere mich noch dran, wie man dann als Durchschnittsdepp ins Tor gestellt wurde (ohne so genau zu wissen, was man da eigentlich sollte) und für die Fußball-Cracks zum Abschuss freigegeben. Übrigens gibt es Gründe, warum Profi-Torwarte Handschuhe tragen. Wenn man also die Pille nicht gleich gegen den Kopf oder in die Magengrube bekommen hat und es einem tatsächlich gelang, sie abzuwehren, schmerzten hinterher ewig die Hände. 
Lerneffekt: Bälle tun weh, man sollte ihnen tunlichst ausweichen. 

Von Schwimmen in gemischtgeschlechtlichen Gruppen in der Pubertät muss ich wohl gar nicht erst anfangen. Da hatte ich zum Glück ein Dauerattest, weil ich insbesondere nach längerem Aufenthalt im Wasser zu Harnwegsinfekten neigte. Dabei war ich keine schlechte Schwimmerin und war auch eigentlich gerne im Wasser. Nur in der Schule war für mich Schwimmunterricht eine Horrorvorstellung. Du kommst gerade zwar überhaupt nicht mit deinem sich verändernden Körper klar, aber zieh dir doch bitte mal eine Wurstpelle an, mit der du nichts verstecken kannst und dann präsentiere dich den kritischen Blicken Gleichaltriger. Bei mir war es das Bäuchlein und er Busen, bei meiner Freundin Pickel auf dem Rücken. Schwimmen lernen ist wichtig, finde ich auch. Aber bitte Männlein und Weiblein getrennt. Nicht weil ich prüde bin, sondern weil es die Jugendlichen unter Stress setzt. Da ist das Schwimmen dann ohnehin zweitrangig. 

Kurzum, in der Schule ging es nicht darum, Spaß an der Bewegung zu erlernen oder langsam an gesunde Bewegung herangeführt zu werden. Es war: entweder kannst du es sowieso oder du machst dich zum Horst. 

Erst sehr viel später, da war ich fast 30 habe ich entdeckt, dass das verhasste Laufen (namentlich Waldlauf) genau meine Sportart ist. Ausdauer - kein Problem, wenn ich es in meinem Tempo tue und langsam anfange. Radfahren - nicht meins. Dafür war ich ganz gut in Badminton (bis ich mir leider dabei einen Bänderriss eingefangen habe). Schwimmen, sanftes Krafttraining, orientalischer Tanz. Irgendwann findet man mit Glück die Art von Bewegung, die einem Spaß macht und die man einigermaßen beherrscht. 

Aber die vielen Jahre davor war ich dermaßen abgeschreckt und demotiviert, was Sport anging. Ich hatte regelrecht Angst davor, wollte nicht in den Sprachurlaub nach England, weil solche Veranstaltungen meiner Erfahrung nach immer irgendwie mit sportlichen Wettkämpfen einhergingen. Dabei war ich eigentlich nie ein Bewegungsmuffel. 

Ich hoffe, der moderne Sportunterricht ist anders. Allerdings fürchte ich, dass er so leistungsorientiert ist wie eh und je. Ich habe auch nichts gegen "Leistungsorientierung", denn aus eigener Erfahrung weiß ich, dass leider ohne Notendruck nicht viel geht und die Schüler die Veranstaltung nicht ernst nehmen. Aber die Leistung sollte sich im Sport viel mehr am Leistungsvermögen des Einzelnen orientieren. Hat sich jemand angestrengt? Ist er besser geworden? Das sollte auch belohnt werden. Bei uns hätte man die Noten auch direkt am Schuljahresanfang vergeben können. 

Ich hoffe also inständig, dass meine Kinder anderen Sportunterricht erfahren und mehr angeregt und angeleitet werden. 

Dienstag, 13. August 2013

Ferien vorbei...hurrah!

Als Kind und als kinderlose Lehrerin habe ich mich immer wie eine Irre auf die Sommerferien gefreut. Jetzt freue ich mich auch noch auf die Sommerferien, aber Ferien bedeutet auch, dass für drei Wochen die KiTa geschlossen ist. 

Es waren zwar schöne, aber auch sehr anstrengende drei Wochen mit dem Sohnemann zuhause, dem man natürlich nicht das gleiche Niveau an "Bespaßung" bieten kann wie eine Gruppe anderer Kinder. Zum Glück wohnen hier in der Nachbarschaft eine Menge Kinder, so dass viel auf der Straße gespielt wurde. Mit Kreide Straßen und Geschäfte einzeichnen und ab geht es mit dem Bogadi (so heißt bei meinem 2jährigen Sohn neuerdings aus unerfindlichen Gründen das Bobbycar), dem Laufrad oder dem Dreirad. 
Mit Mama auf der Terrasse mit Wasserfarben und Fingerfarben malen war auch lustig. Planschen im Pool, Buddeln im Sandkasten und auf dem Buggy-Board mit der kleinen Schwester im Kinderwagen spazieren fahren (zum Beispiel in den Zoo). 

Die Zeit ging also rum und ich glaube, der Junior hat sich nicht gelangweilt. Und was war, als er den ersten Tag wieder in die KiTa gegangen ist? Mama, die sich so auf diesen Tag gefreut hatte, musste natürlich erst einmal heulen, als der Kleine vormittags nicht da war. So kann's gehen. 

Zum Thema "Eltern die sich über das Ferienende sichtlich mehr freuen als ihr Nachwuchs" hier noch eine nette Staples-Werbung mit Alice Cooper: